Eine Börse organisiert den Handel nach festgelegten Regeln. Sie bringt Kauf- und Verkaufsinteressen zusammen und ermöglicht die Preisbildung für zugelassene Instrumente. Für Privatanleger läuft der Zugang normalerweise über einen Broker oder eine Bank.

Die App auf deinem Smartphone ist deshalb nicht automatisch „die Börse“. Hinter einem Auftrag können Broker, Handelsplatz und weitere Stellen für die Abwicklung stehen. Bei manchen Produkten erfolgt das Geschäft vollständig außerbörslich.

Broker, Börse und Depot sind verschiedene Dinge

Der Broker nimmt deinen Auftrag entgegen und führt ihn nach seinen Bedingungen aus oder leitet ihn weiter. Die Börse beziehungsweise der Handelsplatz bestimmt unter anderem, wie passende Aufträge zusammenkommen. Im Depot werden deine Wertpapierbestände geführt. Nach einem Abschluss müssen Geld und Wertpapiere noch ordnungsgemäß abgewickelt werden.

Der gleiche Broker kann Zugang zu mehreren Handelsplätzen bieten. Umgekehrt können viele Broker denselben Handelsplatz verwenden. Der Name der App reicht deshalb nicht aus, um Ausführung, Kosten und Marktmodell zu beurteilen.

Die Deutsche Börse beschreibt Xetra und Frankfurt als unterschiedliche Marktplätze. Elektronischer Handel hat die Vorstellung einer ausschließlich laut rufenden Händlergruppe überholt. Daraus folgt aber nicht, dass es nur noch einen Frankfurter Handelsplatz gäbe.

Wie ein Kurs im Orderbuch entsteht

In einem vereinfachten Orderbuch stehen Kaufangebote auf der Geldseite und Verkaufsangebote auf der Briefseite. Die besten Preise können für unterschiedliche Mengen gelten. Unser Beispiel ist erfunden:

Verkaufsangebot Verfügbare Stücke
50,10 € 20
50,20 € 50
50,40 € 80

Du möchtest 40 Aktien kaufen. Wird eine Market-Order in genau dieses unveränderte Buch ausgeführt, erhältst du rechnerisch 20 Aktien zu 50,10 Euro und 20 zu 50,20 Euro. Der Durchschnittspreis beträgt 50,15 Euro, der Kaufwert 2.006 Euro, jeweils vor Gebühren.

Die Anzeige „50,10“ war also kein Versprechen, alle 40 Aktien zu diesem Preis zu bekommen. In einem echten Markt können sich die verfügbaren Aufträge bis zur Ausführung ändern.

Was ein Limit bewirkt

Mit einem Kauflimit von 50,10 Euro erlaubst du keinen höheren Kaufpreis. In unserem statischen Beispiel wären daher nur 20 Stück unmittelbar passend. Der Rest könnte abhängig von Auftragsgültigkeit und Ausführungszusatz offenbleiben oder entfallen. Ein Limit schützt die Preisgrenze, garantiert aber keine vollständige Ausführung.

Unterscheide außerdem Limit und Stop: Ein gewöhnlicher Stop ist zunächst eine Auslösebedingung. Was danach passiert, hängt vom Auftragstyp ab. Der Stop-Loss-Artikel zeigt, weshalb ein Stopkurs keine sichere Preisgrenze ist.

Auktion und fortlaufender Handel

Nicht jeder Börsenpreis entsteht nach genau demselben Verfahren. Im fortlaufenden Handel können geeignete Aufträge laufend zusammengeführt werden. In einer Auktion werden zunächst Aufträge gesammelt und anschließend nach dem jeweiligen Regelwerk zu einem Auktionspreis abgeglichen.

Für dich bedeutet das: Handelsphase, Orderart und Gültigkeit gehören zusammen. Eine Order kurz vor einer Auktion kann anders behandelt werden als ein Auftrag im fortlaufenden Handel. Auch Handelsunterbrechungen, Feiertage und besondere Marktphasen beeinflussen die Ausführung. Nutze die aktuellen Handelskalender und Handelszeiten der Deutschen Börse für den betreffenden Platz und das Instrument, statt eine universelle Öffnungszeit anzunehmen.

Börslich und außerbörslich unterscheiden

OTC steht für außerbörslichen Handel. Dabei wird das Geschäft außerhalb einer Börse zwischen den jeweiligen Parteien geschlossen. Ein CFD mit einem Anbieter ist beispielsweise nicht dasselbe wie der direkte Kauf der zugrunde liegenden Aktie an einer Börse.

Außerbörslich bedeutet nicht automatisch unreguliert. Börslich bedeutet ebenso wenig, dass ein Produkt keinen Verlust verursachen kann. Entscheidend bleiben Vertragspartner, Produktregeln, Preisbildung und geltende Aufsicht. In Deutschland wirken bei der Börsenaufsicht mehrere Stellen mit; die Deutsche Börse erläutert die Aufgabenteilung der Aufsichtsorgane.

Warum sich Kurse zwischen Plattformen unterscheiden können

Prüfe zuerst, ob du denselben Wert und dieselbe Währung vergleichst. Danach kommen Handelsplatz, Zeitpunkt und Kurstyp: letzter Abschluss, Geldkurs, Briefkurs oder verzögerter Datenfeed. Ein Chart kann einen anderen Preis zeigen als den aktuell für deine Richtung ausführbaren Kurs.

Ein praktischer Vergleich: Plattform A zeigt den letzten Abschluss um 10:00 Uhr. Plattform B zeigt den aktuellen Briefkurs um 10:01 Uhr. Eine Differenz ist noch kein Fehler und schon gar kein gesicherter Arbitragegewinn. Die Arbitrage-Erklärung führt den Preisvergleich nach Kosten weiter.

Die erste Order bewusst vorbereiten

Schreibe vor einer Demorder fünf Angaben auf: Instrument, Handelsplatz oder Gegenpartei, Stückzahl, Ordertyp und Preisgrenze. Prüfe danach Ausführungspreis, ausgeführte Menge, Gebühren und Restauftrag. Speichere die Abrechnung; ein Klick auf „Kaufen“ allein beweist noch keinen Abschluss.

Der nächste Schritt ist Was ist ein Trade?. Unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ ordnet die Begriffe in einen zusammenhängenden Lernweg ein.