Arbitrage nutzt zusammenhängende Preise, die zeitweise nicht zueinander passen. Im einfachsten Modell kaufst du denselben Vermögenswert an einem Handelsplatz günstiger und verkaufst ihn gleichzeitig an einem anderen teurer. Entscheidend sind ausführbare Preise und sämtliche Kosten — zwei unterschiedliche Zahlen auf dem Bildschirm reichen nicht.

Die Idee unterscheidet sich von einer Wette auf einen später steigenden Kurs. In der Praxis können aber schon Verzögerungen, fehlende Bestände oder eine gescheiterte Order aus dem gedachten Preisgeschäft eine offene Spekulation machen.

Ein Preisvergleich mit Geld und Brief

Der Briefkurs (Ask) ist der Preis, zu dem du kaufen kannst. Der Geldkurs (Bid) ist der Preis, zu dem du verkaufen kannst. Vergleiche daher den Ask des günstigen Platzes mit dem Bid des teuren Platzes. Letzte gehandelte Kurse können veraltet sein und sagen nichts darüber, welche Stückzahl gerade verfügbar ist.

Ein vollständig erfundenes Beispiel für dieselbe Aktie und dieselbe Währung:

Seite des Geschäfts Rechnung für 100 Aktien
Kauf an Platz A 100 × 100,10 € = 10.010 €
Verkauf an Platz B 100 × 100,20 € = 10.020 €
Preisdifferenz 10 €
Angenommene separate Gesamtkosten 12 €
Ergebnis −2 €

Die attraktive Kursdifferenz ist nach Kosten ein Verlust. Steigt die Stückzahl, bleiben zudem nicht automatisch dieselben Kurse verfügbar: Hinter dem besten Ask könnten nur 30 Aktien liegen. Für weitere Stücke müsstest du teurer kaufen. Auch Gebührenstaffeln und verfügbare Leihen können sich ändern.

Warum „gleichzeitig“ so wichtig ist

Stell dir vor, der Kauf wird ausgeführt, aber die Verkaufsorder nicht. Jetzt besitzt du 100 Aktien und trägst deren Kursrisiko. Sinkt der erreichbare Verkaufspreis auf 99,90 Euro, entstehen 100 × (99,90 − 100,10) = −20 Euro Kursverlust vor Gebühren. Der ursprünglich angezeigte Überschuss schützt davor nicht.

Vor der Rechnung stehen deshalb operative Fragen:

  • Ist es tatsächlich dieselbe Aktie mit denselben Lieferrechten, nicht nur ein ähnlicher Name?
  • Sind beide Kurse zeitgleich, aktuell und für die geplante Menge ausführbar?
  • Sind Geld und gegebenenfalls verkaufbare Bestände an den nötigen Orten verfügbar?
  • Lassen sich die Geschäfte rechtzeitig beliefern und abrechnen?
  • Was geschieht, wenn nur eine Seite ausgeführt wird?

Ein Transfer zwischen zwei Konten nach dem Kauf kann Zeit brauchen. Wer erst danach verkaufen kann, hat den zweiten Preis nicht gesichert. Ein Verkauf ohne vorhandene Stücke wirft zusätzlich Fragen der Wertpapierleihe und Zulässigkeit auf; die Grundlagen erklärt Long und Short.

Welche Arten häufig gemeint sind

Handelsplatz-Arbitrage bezieht sich auf Preisunterschiede desselben Instruments. Dreiecksarbitrage bei Währungen betrachtet dagegen drei zusammengehörige Wechselkurse. Dabei müssen für jede Umtauschrichtung die richtigen Geld- oder Briefkurse und Kosten verwendet werden. Ein rechnerischer Widerspruch zwischen drei Mittelkursen belegt noch kein handelbares Geschäft.

ETF-Arbitrage besitzt eine besondere Struktur: Bestimmte institutionelle Teilnehmer können große Anteilspakete schaffen oder zurückgeben. Das kann Preisunterschiede zwischen ETF-Anteil und zugrunde liegendem Portfolio begrenzen. Die SEC erläutert diesen Mechanismus sowie mögliche Auf- und Abschläge. Für einen privaten Kauf von zehn ETF-Anteilen ist dieser institutionelle Umtauschmechanismus nicht ohne Weiteres zugänglich.

Übernahme-Arbitrage trägt ein anderes Risiko

Bei einer angekündigten Übernahme kann der Aktienkurs unter dem angebotenen Kaufpreis liegen. Diese Differenz ist kein kostenloses Geld: Die Transaktion könnte scheitern, verzögert werden oder andere Bedingungen erhalten. Der endgültige Erlös ist noch ungewiss. Der Begriff „Merger Arbitrage“ bezeichnet deshalb eine Strategie mit Ereignisrisiko.

Ein eigenes Szenario: Ein angekündigter Barpreis beträgt 50 Euro, die Aktie kostet 48 Euro. Bei Vollzug wären zwei Euro vor Kosten möglich. Scheitert die Übernahme und fällt die Aktie auf angenommene 35 Euro, wären es 13 Euro Verlust. Die zwei Euro Differenz allein reichen zur Bewertung nicht aus. Du bräuchtest unter anderem belastbare Informationen zu Bedingungen, Finanzierung, Genehmigungen und Zeithorizont. Wir unterstellen hier keine Eintrittswahrscheinlichkeit.

Ein sinnvoller Test ohne echten Einsatz

Lege in einer Tabelle fünf Spalten an: Kaufpreis, Verkaufspreis, ausführbare Menge, separate Kosten und Ergebnis. Ergänze einen Zeitstempel für jede Preisbeobachtung. Rechne anschließend eine zweite Variante, in der die ungünstigere Seite um einen kleinen Betrag abweicht oder gar nicht ausgeführt wird.

Bei 200 Stück und 0,08 Euro Differenz entstehen zunächst 16 Euro. Angenommene Kosten von 18 Euro machen daraus −2 Euro. Ist dein Modell nur ohne Kosten positiv, hast du keinen belastbaren Vorteil gefunden. Die Kostenrechnung zeigt, warum bereits in Ausführungspreisen enthaltene Spreads nicht doppelt abgezogen werden dürfen.

Für einen geordneten Einstieg in Instrumente und Risikorechnung kannst du unseren Lernplan nutzen. Unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ ergänzt die Grundlagen; es verspricht keinen Zugang zu risikofreien Arbitragegewinnen.