Long und Short beschreiben deine Position in einem bestimmten Finanzinstrument. Bei einer Aktie oder einem gewöhnlichen CFD bedeutet Long eine positive Beteiligung an steigenden Kursen; eine Short-Position gewinnt vor Kosten bei fallenden Kursen. Bewegt sich der Kurs gegen die Position, entsteht ein Verlust.
Die Richtung allein erklärt noch nicht, was du besitzt, schuldest oder als Sicherheit hinterlegen musst. Ein Aktienkauf, ein Aktienleerverkauf und ein Short-CFD sind unterschiedliche Geschäfte. Dieser Leitfaden trennt sie und zeigt die Rechnung mit erfundenen Zahlen.
- Long und Short auf einen Blick
- Long-Beispiel: zehn Aktien kaufen
- Short-Beispiel: Aktien leihen, verkaufen und zurückkaufen
- Warum die Verlustrisiken nicht spiegelbildlich sind
- Short-CFD: keine geliehene Aktie in deinem Depot
- Verkaufen heißt nicht automatisch Short gehen
- Long ist nicht Call, Short ist nicht Put
- Eine kurze Übung vor der nächsten Order
- Mit einem klaren Lernweg fortfahren
Long und Short auf einen Blick
| Position | Ablauf bei einer Aktie |
|---|---|
| Long | Aktien kaufen, später verkaufen: Ein höherer Verkaufspreis ergibt einen Kursgewinn |
| Short | Geliehene Aktien verkaufen, später zurückkaufen und zurückgeben: Ein niedrigerer Rückkaufpreis ergibt einen Kursgewinn |
„Long“ bedeutet hier nicht, dass du jahrelang investierst; „Short“ ist keine Angabe für eine kurze Haltedauer. Eine Long-Position kann nach Minuten geschlossen werden. Eine Short-Position kann länger offen bleiben, solange Vertrags- und Marginbedingungen das erlauben.
Die SEC erklärt Long-Positionen und Aktienleerverkäufe einschließlich Wertpapierleihe und Rückgabe. Die beschriebenen US-Kontoregeln sind dabei keine pauschale Anleitung für ein deutsches Konto. Falls dir Auftrag und Bestand noch nicht klar sind, beginne mit Was ist ein Trade?.
Long-Beispiel: zehn Aktien kaufen
Du kaufst zehn Aktien einer erfundenen Gesellschaft zu je 100 Euro. Der Kaufwert beträgt 1.000 Euro. Für dieses Beispiel zahlst du vollständig aus vorhandenem Geld; es gibt keinen Wertpapierkredit.
Später verkaufst du alle zehn Aktien. Wir rechnen mit angenommenen Ausführungspreisen und insgesamt vier Euro separaten Ordergebühren:
| Preis je Aktie | Ergebnis nach diesen Gebühren |
|---|---|
| 110 € | 10 × (110 − 100) − 4 = 96 € |
| 100 € | 10 × (100 − 100) − 4 = −4 € |
| 90 € | 10 × (90 − 100) − 4 = −104 € |
Solange du die Aktien noch hältst, ist die Kursänderung ein Buchgewinn oder Buchverlust. Eine spätere vollständige Ausführung kann zu einem anderen Preis erfolgen. Dividenden, Steuern und weitere Kosten sind in dieser Lernrechnung nicht enthalten.
Short-Beispiel: Aktien leihen, verkaufen und zurückkaufen
Bei einem klassischen Aktienleerverkauf werden die zu liefernden Aktien über eine Wertpapierleihe beschafft. Du verkaufst sie und musst später die gleiche Anzahl zurückgeben. Ob die Leihe verfügbar ist, welche Sicherheiten nötig sind und wann eine Schließung verlangt werden kann, richtet sich nach dem konkreten Angebot.
Wir verwenden wieder zehn Aktien und 100 Euro Einstieg, diesmal als Verkaufspreis:
- Du verkaufst zehn geliehene Aktien zu je 100 Euro: 1.000 Euro Verkaufserlös.
- Du kaufst später zehn Aktien zu je 90 Euro zurück: 900 Euro Rückkaufwert.
- Nach der Rückgabe ist der Leerverkauf geschlossen. Der Kursgewinn beträgt 100 Euro.
Der Verkaufserlös ist kein Gewinn: Ihm steht zunächst die Pflicht zur Rückgabe gegenüber. Wir nehmen für den gesamten Beispielzeitraum vier Euro Ordergebühren und sechs Euro Leihkosten an. Damit bleiben 100 − 4 − 6 = 90 Euro, vor Steuern und weiteren möglichen Buchungen. Das sind erfundene Kosten, kein Brokertarif.
Steigt der Rückkaufpreis stattdessen auf 110 Euro, lautet die Rechnung 10 × (100 − 110) − 4 − 6 = −110 Euro. Auch bei unverändertem Rückkaufpreis von 100 Euro bleiben zehn Euro Verlust durch die angenommenen Kosten.
FINRA beschreibt Wertpapierleihe, Kosten und Sicherheiten beim Short Selling. Bei einer Dividendenzahlung können zudem Ausgleichszahlungen an den Verleiher entstehen, wie die SEC in der oben verlinkten Erläuterung ausführt. Eine längere Haltedauer kann die Kosten verändern; übertrage unsere feste Sechs-Euro-Annahme nicht auf andere Zeiträume.
Warum die Verlustrisiken nicht spiegelbildlich sind
Eine gewöhnliche Aktie kann bis auf null fallen. Bei unserem vollständig bezahlten Long-Kauf entspricht der maximale Kursverlust deshalb den 1.000 Euro Kaufwert; separate Kosten kommen hinzu. Das gilt für diesen Aktienkauf ohne Kredit, nicht automatisch für andere Produkte mit dem Wort „Long“.
Beim Aktienleerverkauf ist die Rechnung anders: Aus einem Verkauf zu 100 Euro und einem Rückkauf zu 250 Euro werden 10 × (100 − 250) = −1.500 Euro, schon vor Kosten. Der Verlust übersteigt damit den anfänglichen Verkaufserlös. Da der Aktienpreis nach oben keine feste Grenze hat, besitzt auch der rechnerische Kursverlust dieses Leerverkaufs keine feste Obergrenze.
Ein Short Squeeze, wie ihn die SEC erläutert, kann entstehen, wenn steigende Preise Short-Verkäufer zum Rückkauf bewegen und diese Käufe den Anstieg zusätzlich verstärken. Du kannst dann nicht voraussetzen, zu einem gewünschten Preis zurückzukaufen. Ein gewöhnlicher Stop-Loss garantiert weder diesen Preis noch einen festen Höchstverlust.
Short-CFD: keine geliehene Aktie in deinem Depot
Ein CFD ist ein Differenzkontrakt mit dem Anbieter. Du erwirbst dabei den zugrunde liegenden Vermögenswert nicht. Bei einer Short-Position hängt das Preisergebnis von der Differenz zwischen Eröffnungs- und Schließungskurs sowie dem vertraglichen Punktwert und der Größe ab. IG beschreibt diese CFD-Grundfunktion. Das ist eine Produktbeschreibung eines Anbieters, keine Empfehlung für ihn.
Ein getrenntes, erfundenes Beispiel: Du eröffnest einen Index-CFD short bei 20.000 und schließt bei 19.960. Die gesamte Position verändert ihren Wert um 0,50 Euro je Indexpunkt. Dann ergibt sich:
(20.000 − 19.960) × 0,50 = 20 Euro Kursgewinn.
Bei einer Schließung zu 20.040 wären es −20 Euro. Jeweils drei Euro angenommene separate Gesamtkosten ändern die Ergebnisse auf 17 Euro bzw. −23 Euro. Der Punktwert ist eine Lernannahme und keine reale Lot-Spezifikation. Bei tatsächlichen Ausführungspreisen wird ein bereits darin enthaltener Spread nicht noch einmal abgezogen; dazu mehr in der CFD-Kostenrechnung.
Die benötigte Margin ist eine Sicherheit, keine pauschale Verlustgrenze. Für das CFD-Angebot an Kleinanleger in Deutschland verlangt die BaFin unter anderem einen Ausschluss der Nachschusspflicht. Den Schutz vor negativem Kontostand erklärt die ESMA auf Ebene des CFD-Handelskontos. Das bedeutet nicht, dass nur die Margin eines einzelnen Trades verloren gehen kann. Das für CFD-Handel vorgesehene Kontoguthaben bleibt gefährdet. Prüfe Anbieter, Kundeneinstufung und Vertragsbedingungen; übertrage diesen Schutz nicht auf einen Aktienleerverkauf oder jedes Konto weltweit.
Verkaufen heißt nicht automatisch Short gehen
Du besitzt zehn Aktien und verkaufst fünf: Danach hältst du noch fünf Aktien long. Verkaufst du die restlichen fünf, bist du ohne weitere Geschäfte flat, also ohne offene Position in dieser Aktie. Du hast dadurch keine neue Short-Position eröffnet.
Auch in einer Handelsplattform ist „Sell“ allein keine vollständige Beschreibung. MetaTrader 5 unterscheidet Netting und Hedging. Im Netting-Modell verändert ein Gegengeschäft die zusammengefasste Position eines Symbols. Im Hedging-Modell kann ein neuer Gegenauftrag eine separate Position eröffnen.
Eine reine Mengenrechnung für Netting: Du bist drei Einheiten long und verkaufst fünf. Nach vollständiger Ausführung bleiben zwei Einheiten short. Wolltest du nur schließen, wäre das die falsche Menge. Im Hedging-Modell könnte ein neuer Verkauf dagegen drei Einheiten long und fünf short nebeneinander stehen lassen. Nutze die vorgesehene Schließfunktion und kontrolliere die bestätigte Restposition.
Long ist nicht Call, Short ist nicht Put
Call und Put sind Optionsarten. Eine Call-Option gibt dem Käufer ein Kaufrecht, eine Put-Option ein Verkaufsrecht nach den jeweiligen Vertragsbedingungen. Beide können gekauft oder geschrieben werden. Die Optionsgrundlagen des Options Industry Council erklären diese Unterscheidung.
Wer einen Put kauft, ist long in der Put-Option, obwohl dieser häufig für eine Erwartung fallender Kurse des Basiswerts eingesetzt wird. Long und Short beziehen sich hier auf die Option. Deshalb ist „Short = Put“ ebenso falsch wie „Long = Call“. Optionspreise hängen zudem nicht nur von der Kursrichtung des Basiswerts ab; die Aktienrechnung dieses Artikels lässt sich nicht unverändert auf sie übertragen.
Eine kurze Übung vor der nächsten Order
Prüfe auf Papier oder im Demokonto:
- Instrument: Geht es um eine Aktie, eine Wertpapierleihe oder einen Differenzkontrakt?
- Bestand: Welche Position besteht schon? Eröffnet, reduziert, schließt oder dreht der Auftrag sie?
- Geldwirkung: Was bedeutet eine Bewegung für und gegen dich in Euro, einschließlich angenommener Kosten?
- Ausstieg: Wo liegen der anfängliche Stop und gegebenenfalls ein Take-Profit? Bei Short liegt ein anfänglicher Verluststop oberhalb, ein Gewinnziel unterhalb des Einstiegs.
- Bestätigung: Welche Menge und Richtung stehen nach der Ausführung tatsächlich in der Positionsübersicht?
Rechenaufgabe: Fünf Aktien werden zu 80 Euro leerverkauft und zu 84 Euro zurückgekauft. Separate Gesamtkosten: drei Euro. Wie hoch ist das Ergebnis?
Lösung: 5 × (80 − 84) − 3 = −23 Euro. Der steigende Rückkaufpreis erzeugt 20 Euro Kursverlust; die Kosten erhöhen den Verlust. Notiere Einstieg, Ausstieg und Kosten getrennt in der Journal-Vorlage.
Mit einem klaren Lernweg fortfahren
Die Möglichkeit, in beide Richtungen zu handeln, belegt keinen Vorteil und garantiert keinen Gewinn in jeder Marktphase. Erst Regeln, Ausführung, Kosten und dokumentierte Ergebnisse erlauben eine sinnvolle Auswertung. Unser Lernplan mit Starter-Box führt dich durch diese Schritte. Die Anleitung Trading-Signale verstehen ergänzt die Begriffe um vorhandene Videos zur Plattformbedienung.
Für einen zusammenhängenden Einstieg findest du auf unserer Buchseite zu „Der Trading-Code“ die Themen und verfügbaren Ausgaben. Das Buch ist ein eigenes Produkt von TradingCode.
Neu bearbeitet am 26. September 2026. Die Zahlen sind fiktive Lernbeispiele, keine aktuellen Kurse oder persönliche Anlageberatung.