Margin ist eine Sicherheitsleistung, Hebel ein Verhältnis und Risiko eine mögliche Verlustbelastung. Diese Begriffe hängen zusammen, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge. Wenn dein Broker für eine Position 500 Euro Margin verlangt, bedeutet das weder „Du verlierst höchstens 500 Euro“ noch „Du riskierst automatisch 500 Euro“.
Ein durchgehendes Beispiel macht den Unterschied sichtbar. Wir verwenden einen fiktiven Index-CFD, keine aktuelle Brokerkondition. Sämtliche Zahlen sind Lernannahmen. Die Artikel dieser Reihe sind allgemeine Finanzbildung, keine individuelle Auswahl eines geeigneten Risikos.
- 1. Positionswert: Wie viel Markt bewegst du?
- 2. Margin: Wie viel Sicherheit wird gebunden?
- 3. Geplantes Stoprisiko: Wo liegt der angenommene Ausstieg?
- Zwei unterschiedliche Hebelzahlen
- Warum niedrigere Margin trotzdem zu mehr Risiko verleiten kann
- Margin-Schließung ist kein persönlicher Risikoplan
- Eine kurze Prüfung vor der Order
1. Positionswert: Wie viel Markt bewegst du?
Unser Beispielkonto hat 5.000 Euro Eigenkapital und keine weiteren Positionen. Der Index steht bei 20.000 Punkten. Eine Einheit unseres fiktiven Kontrakts entspricht einem Euro je Punkt. Wir betrachten 0,5 Einheiten.
Positionswert = 20.000 × 1 Euro × 0,5 = 10.000 Euro.
Dieser Nominalwert beschreibt das Marktengagement. Du kaufst damit nicht für 10.000 Euro die einzelnen Aktien eines Index. Die wirtschaftliche Kurswirkung der angenommenen CFD-Position lässt sich dennoch aus dieser Größe und den Vertragsbedingungen ableiten.
Bewegt sich der Preis um einen Punkt, verändert sich ihr Ergebnis vor Kosten um 0,50 Euro. Bei 40 Punkten sind es 20 Euro. Für eine Long-Position ist ein Anstieg günstig und ein Rückgang ungünstig; für eine Short-Position umgekehrt.
2. Margin: Wie viel Sicherheit wird gebunden?
Für das Rechenbeispiel vergleichen wir zwei angenommene anfängliche Marginsätze, 5 % und 10 %. Das ist keine Aussage darüber, welche Konditionen du wählen kannst. Tatsächliche Sätze hängen unter anderem von Instrument, Anbieter, Kontoeinstufung und Positionsumfang ab; sie können auch gestaffelt sein. IG beschreibt solche Marginstaffeln.
| Größe vor Kosten und Kursbewegung | Annahme A | Annahme B |
|---|---|---|
| Kontoeigenkapital | 5.000 € | 5.000 € |
| Positionswert | 10.000 € | 10.000 € |
| Anfänglicher Marginsatz | 5 % | 10 % |
| Gebundene Margin | 500 € | 1.000 € |
| Rechnerisch freie Margin bei sonst leerem Konto | 4.500 € | 4.000 € |
Die freie Margin in dieser vereinfachten Ausgangssituation ist Eigenkapital minus gebundene Margin. Bei einer tatsächlich eröffneten Position wirken bereits Spread und weitere Kosten; offene Gewinne/Verluste und geänderte Anforderungen können die verfügbare Sicherheit verändern. Die Tabelle beschreibt deshalb keinen dauerhaft festen Kontostand.
Mehr gebundene Sicherheit verändert bei gleicher Position nicht den Eurobetrag pro Kurspunkt. Beide Spalten bewegen weiterhin 0,50 Euro je Punkt.
3. Geplantes Stoprisiko: Wo liegt der angenommene Ausstieg?
Für den Long-Einstieg zu 20.000 planen wir einen Stop-Ausstieg zu 19.960. Der Abstand beträgt 40 Punkte:
Geplanter Kursverlust = 40 × 1 Euro × 0,5 = 20 Euro.
Dieser Betrag ist in beiden Margin-Szenarien gleich. Er berücksichtigt noch keine separat anfallenden Kosten und setzt voraus, dass die Position tatsächlich zu 19.960 geschlossen wird. Eine gewöhnliche Stop-Order garantiert diesen Preis nicht. Bei 19.900 wären es bereits 100 × 0,50 = 50 Euro Kursverlust. IG erklärt mögliche Abweichungen bei Stop-Ausführungen.
Zwei unterschiedliche Hebelzahlen
Bezogen auf die geforderte Margin ergibt sich rechnerisch ein Hebel von 10.000 ÷ 500 = 20 beziehungsweise 10.000 ÷ 1.000 = 10. Er drückt aus, wie viel Nominalwert einer Einheit der gebundenen Sicherheit gegenübersteht.
Bezogen auf unser gesamtes Kontoeigenkapital beträgt das Verhältnis dagegen in beiden Fällen 10.000 ÷ 5.000 = 2. In diesem Beispiel mit einer einzigen Position ist das der effektive Kontohebel. Ein Produkthebel von 20 bedeutet also nicht, dass das ganze Konto tatsächlich zwanzigfach am Markt engagiert ist.
Bei mehreren Positionen reicht diese einfache Darstellung nicht: Bruttoengagement, gegenläufige Positionen und gemeinsame Marktbewegungen müssen getrennt betrachtet werden. Ein DAX- und ein anderer Aktienindex-Trade können zum selben Zeitpunkt Verluste verursachen.
Warum niedrigere Margin trotzdem zu mehr Risiko verleiten kann
Solange die Größe gleich bleibt, bleibt die Kurswirkung gleich. Nutzt jemand die frei gewordene Sicherheit jedoch für eine größere Position, ändert sich das.
Verdoppelst du unsere Position von 0,5 auf 1 Einheit, verdoppelst du bei gleichen Preisen den Nominalwert auf 20.000 Euro und den geplanten Kursverlust bis zum 40-Punkte-Stop auf 40 Euro. Das zusätzliche Risiko entsteht durch die größere Position. Die freie Margin ist keine Aufforderung, sie vollständig auszuschöpfen.
Auch eine Position, für die genügend Sicherheit vorhanden ist, kann dein gewähltes Risikobudget überschreiten. Bei einer ganzen Einheit und angenommenen 5 % Margin wären 1.000 Euro Sicherheit auf unserem 5.000-Euro-Konto rechnerisch vorhanden. Ein frei gewähltes Verlustbudget von 25 Euro würde aber schon durch die 40 Euro geplanten Kursverlust überschritten. Deshalb beginnst du mit Stopabstand, Punktwert und Positionsgröße, nicht mit der größten verfügbaren Order.
Margin-Schließung ist kein persönlicher Risikoplan
Unterschreitet ein Konto die geltenden Anforderungen, kann der Broker Positionen nach seinen Bedingungen schließen. Auslöser, Berechnungsbasis und Verfahren musst du für dein Konto prüfen. Verlass dich nicht darauf, vorher rechtzeitig eine Nachricht zu erhalten oder zu deinem gewünschten Preis aussteigen zu können. IG erläutert sein Margin-Call-Verfahren; die Bedingungen eines anderen Anbieters können abweichen.
Eine solche Schließung ersetzt weder einen geplanten Ausstieg noch ausreichend freie Sicherheit. Sie ist auch keine Zusage, dass dein gewähltes Geldrisiko eingehalten wird.
Eine kurze Prüfung vor der Order
- Welcher Punktwert und welche Größe ergeben welchen Nominalwert?
- Welche Margin verlangt mein konkretes Instrument für diese Größe?
- Wie viel Geld wäre bis zum angenommenen Stop-Ausstieg verloren?
- Welche Kosten und Ausführungsabweichungen kommen hinzu?
- Welche anderen Positionen könnten gleichzeitig verlieren?
Trage die Antworten im Arbeitsblatt zu Margin und Risiko ein. Für den vollständigen Lernweg führt dich die Buchseite zu „Der Trading-Code“ zu den verfügbaren Ausgaben.