Ein Take-Profit, kurz TP, ist ein vorher festgelegter Ausstieg für eine günstige Kursbewegung. Bei einer Long-Idee liegt das anfängliche Gewinnziel oberhalb des Einstiegs, bei einer Short-Idee darunter. Ob und zu welchem Preis tatsächlich geschlossen wird, hängt von Orderart, Kursseite und Ausführungsregeln ab.

Ein Ziel im Chart ist noch kein verdienter Gewinn. Erst bestätigte Ausführungen und die zugehörigen Kosten ergeben das Ergebnis. Hier lernst du, wie ein TP funktioniert, wie Teilverkäufe die Rechnung verändern und warum ein großes Ziel allein keine profitable Strategie belegt.

Take-Profit und Stop-Loss haben unterschiedliche Aufgaben

Ein Take-Profit beschreibt den geplanten Ausstieg bei einer günstigen Bewegung. Der Stop-Loss legt eine Ausstiegsbedingung für die Gegenrichtung fest. Beide müssen zu deiner Strategie, Größe und vorgesehenen Haltedauer passen.

Bei einem Einstieg zu 100 Euro könnte ein rein fiktiver Plan so aussehen:

Richtung Anfangsmarken im Beispiel
Long Stop 95, Ziel 110
Short Stop 105, Ziel 90

Diese zehn bzw. fünf Euro Abstand sind Lernannahmen, keine empfohlenen Einstellungen. Ein Trendfolgeansatz kann stattdessen mit einer laufend angepassten Ausstiegsregel arbeiten. Auch ohne festes Gewinnziel braucht er klare Regeln zum Schließen. Ein TP ist nicht für jede Strategie zwingend.

Ist ein Take-Profit immer eine Market-Order?

Nein. „Take-Profit“ beschreibt zunächst die Funktion. Ein Anbieter kann dafür einen angehängten Limit-Ausstieg verwenden; IG bezeichnet das Gewinnziel in seiner Orderhilfe als Limit. Ein anderer Auftrag kann eine bedingte Market-Ausführung vorsehen. Lies deshalb die Beschreibung deines konkreten Auftrags, statt aus dem Namen allein eine Preisgarantie abzuleiten.

Für eine gewöhnliche Verkaufs-Limitorder gilt: Ausführung zum Limit oder höher, aber eine Ausführung ist nicht garantiert. Ein Kauf-Limit für einen Short-Ausstieg begrenzt den Kaufpreis nach oben. Eine ausgelöste Market-Order gibt dagegen keinen solchen Limitpreis vor. FINRA erläutert Market- und Limitorders für Wertpapiere.

Bei CFDs und Plattformfunktionen sind die jeweiligen Vertrags- und Ausführungsregeln maßgeblich. Preisgrenze, Liquidität, Handelszeiten und vollständige oder teilweise Ausführung sind getrennte Fragen. Ein Kurskontakt allein ist noch keine Buchung auf deinem Konto.

Warum der Chart das Ziel berühren kann, ohne dass der TP auslöst

Für die üblichen außerbörslichen MT5-Fälle wird ein Long-TP anhand des Bid und ein Short-TP anhand des Ask geprüft. Bei Börseninstrumenten können andere Auslöser gelten. Diese Kursseiten und Ausnahmen stehen in den MT5-Handelsgrundlagen.

Zwei fiktive Momentaufnahmen verdeutlichen die Prüfung:

  • Long-Ziel 110: Bid 109,90, Ask 110,10. Für einen Bid-basierten Auslöser ist das Ziel noch nicht erreicht, obwohl der Ask über 110 liegt.
  • Short-Ziel 90: Bid 89,90, Ask 90,10. Für einen Ask-basierten Auslöser ist das Ziel noch nicht erreicht, obwohl ein Bid-Chart unter 90 fällt.

Kontrolliere außerdem, ob du das richtige Symbol und Konto betrachtest und der TP akzeptiert wurde. Bei einem unerwarteten Ergebnis vergleiche Orderhistorie, Kurse und Zeitstempel mit den Brokerregeln. Ein Screenshot eines fremden Kursfeeds reicht dafür nicht aus.

Ein vollständiges Gewinnziel abrechnen

Unser Wertpapierbeispiel verwendet zehn Aktien, Kaufpreis 100 Euro, Ziel 110 Euro und Anfangsstop 95 Euro. Wir unterstellen zunächst vollständige Ausführungen genau zu diesen Preisen. Sämtliche Zahlen und Gebühren sind erfunden.

Annahme Rechnung und Ergebnis
Verkauf am Ziel 10 × (110 − 100) = 100 € Preisergebnis
Separate Gebühren insgesamt Angenommen 4 €
Ergebnis nach diesen Gebühren 100 − 4 = 96 €
Verkauf genau am Stop 10 × (95 − 100) − 4 = −54 €

Die geplanten Kursabstände ergeben vor separaten Kosten ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2:1: 100 Euro Zielergebnis gegenüber 50 Euro geplantem Kursverlust. Das ist keine Wahrscheinlichkeit und keine Verlustgarantie.

Schon eine einfache Szenariorechnung zeigt die Grenze: Drei Gewinne zu je 96 Euro und sieben Verluste zu je 54 Euro ergeben 3 × 96 − 7 × 54 = −90 Euro. Die Serie ist erfunden, keine Prognose. Sie zeigt nur, dass ein 2:1-Kursziel allein nicht genügt. Reale Ausführungen und Kosten können zusätzlich abweichen.

Da wir mit angenommenen Kauf- und Verkaufsausführungen rechnen, wird ein darin enthaltener Spread nicht erneut pauschal abgezogen. Für CFDs erklärt die Kostenrechnung auch Finanzierung und andere separate Buchungen.

Teilverkäufe: zwei Ziele verändern das Gesamtergebnis

Nun teilen wir dieselben zehn Aktien vorab auf: fünf Aktien bei 105 Euro, die übrigen fünf bei 110 Euro. Der ursprüngliche Stop bleibt für dieses Rechenbeispiel bei 95 Euro. Ob dein Broker die gewünschte Staffelung unterstützt, musst du gesondert prüfen.

Vollständig angenommene Ausführung Preisergebnis
Fünf Aktien zu 105 5 × (105 − 100) = 25 €
Fünf Aktien zu 110 5 × (110 − 100) = 50 €
Beide Teile zusammen 75 €

Bei angenommenen sechs Euro Gesamtgebühren für diesen Ablauf bleiben 69 Euro. Die andere Gebührenannahme ist bewusst gewählt, um einen Ablauf mit mehr Ausführungen zu vergleichen; sie ist kein allgemeiner Tarif. Vor Kosten entsprechen die 75 Euro 1,5 R, wenn R den ursprünglichen geplanten Kursverlust von 50 Euro bezeichnet.

Was passiert, wenn nur das erste Ziel erreicht wird und der Rest danach am ursprünglichen Stop schließt?

5 × (105 − 100) + 5 × (95 − 100) = 25 − 25 = 0 Euro, vor separaten Kosten. Mit den angenommenen sechs Euro Gebühren beträgt das Ergebnis −6 Euro. Ein erfolgreicher erster Teilverkauf garantiert also keinen positiven Gesamttrade.

Zwei erfundene Ausstiegsverläufe: fünf Aktien zu 105 und fünf zu 110 bringen 25 plus 50 gleich 75 Euro vor Kosten. Fünf zu 105 und fünf zum Stop 95 bringen 25 minus 25 gleich null Euro vor Kosten.
Gleicher Einstieg und gleiche Gesamtmenge, unterschiedliche Ausstiegsverläufe. Nach den angenommenen sechs Euro Gebühren bleiben 69 bzw. −6 Euro.

Zähle die beiden Teilverkäufe in der Auswertung nicht versehentlich als zwei unabhängige Handelsideen. Halte das Gesamtergebnis der ursprünglichen Position und die Einzelausführungen nachvollziehbar fest.

Mehrere TP-Marken in MT5 richtig einordnen

Die Angaben TP1, TP2 und TP3 in einer Nachricht sind zunächst mehrere Zielmarken. Sie erzeugen keine automatische Aufteilung in deinem Konto. Ein MT5-TP gehört zu einer Position und schließt bei vollständiger Ausführung deren gesamte verbleibende Menge. Für Teilziele brauchst du einen passenden, vorher geprüften Ablauf.

Dabei spielt das Kontomodell eine Rolle: Bei Netting werden Geschäfte eines Symbols in einer Position zusammengeführt; bei Hedging können mehrere getrennte Positionen bestehen. MetaQuotes erläutert diese beiden Modelle und getrennte SL-/TP-Level. Prüfe das Modell, bevor du mehrere Einstiege oder Gegenorders als Teilverkaufsmechanik verwendest. Eine Gegenorder kann im Hedging-Modell eine neue Gegenposition eröffnen, statt die vorhandene zu reduzieren.

Die MT5-Anleitung zur Positionsverwaltung beschreibt Änderungen und Teilschließungen. Übe das im Demo mit der kleinsten passenden Testmenge. Prüfe nach jedem Schritt die verbleibende Größe, den Stop, den TP und andere noch offene Orders.

Checkliste für ein nachvollziehbares Gewinnziel

  1. Regel: Warum liegt das Ziel dort? Welche Ausstiegsregel gilt, wenn es bis zum geplanten Zeitpunkt nicht erreicht wird?
  2. Order: Ist das ein Limit, ein bedingter Market-Ausstieg oder eine andere Brokerfunktion? Welche Kursseite löst aus?
  3. Menge: Wird alles oder nur ein geplanter Teil geschlossen? Stimmen Summe der Teilmengen und aktuelle Position überein?
  4. Status: Ist der Auftrag bestätigt? Welches Ablaufdatum, welche Sitzungen und welche Mindestabstände gelten?
  5. Kosten: Welches Nettoergebnis ergibt sich bei Ziel und Stop unter den getroffenen Annahmen?
  6. Restposition: Wie wird der verbleibende Teil betreut? Was geschieht mit eigenständigen Orders nach einer Schließung?

Verschiebe ein Ziel nicht spontan immer weiter, nur weil ein Buchgewinn noch größer werden könnte. Änderungen können Teil einer Strategie sein, benötigen aber eine vorher definierte Regel. Ebenso muss ein näher gesetztes Ziel zur geänderten Ertrags- und Verluststruktur passen.

Mit einem konkreten Ablauf weiterlernen

Der Leitfaden Trading-Signale verstehen enthält unsere vorhandenen Videos für Laptop und Smartphone sowie eine Rechnung mit drei Teilzielen. Trage tatsächliche Ausführungen anschließend in die Journal-Vorlage ein und halte deine Regeln in der Tradingplan-Vorlage fest.

Für den zusammenhängenden Einstieg zeigt dir unsere Buchseite zu „Der Trading-Code“ die Themen und verfügbaren Ausgaben. Das Buch ist ein eigenes Produkt von TradingCode.

Neu bearbeitet am 26. September 2026. Fiktive Lernbeispiele, keine aktuelle Handelsempfehlung oder persönliche Anlageberatung. Maßgeblich sind die Bedingungen des verwendeten Produkts und Kontos.