Chartmuster sind wiederkehrende Formen in Kursverläufen. Sie helfen dir, Beobachtungen zu beschreiben: eine Handelsspanne, einen Ausbruch oder eine Kerze mit langem Docht. Sie sagen nicht sicher voraus, was als Nächstes geschieht.
Entscheidend ist die Trennung zwischen Beobachtung und Handelsregel. „Der Kurs hat ein vorheriges Hoch überschritten“ ist eine Beobachtung. Ob du daraus eine Order ableitest, braucht zusätzlich Kontext, Einstieg, Ausstieg und Positionsgröße.
Was eine Candlestick-Kerze zeigt
Eine Kerze fasst Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss eines gewählten Zeitabschnitts zusammen. Der Körper liegt zwischen Eröffnung und Schluss. Die Dochte reichen zum Hoch und Tief. Eine Fünf-Minuten-Kerze und eine Tageskerze können ähnlich aussehen, beschreiben aber sehr unterschiedliche Zeiträume.
Ein langer unterer Docht zeigt, dass der Kurs innerhalb dieses Abschnitts tiefer lag und sich bis zum Schluss davon entfernt hat. Er verrät weder, wer gehandelt hat, noch ob die nächste Kerze steigt.
Drei bekannte Candlestick-Muster
Hammer
Ein Hammer hat einen kleinen Körper nahe dem oberen Ende und einen langen unteren Docht. Nach einer Abwärtsbewegung wird er häufig als mögliche Zurückweisung tieferer Preise interpretiert. Die gleiche Form an einer anderen Stelle kann eine andere Bedeutung haben.
Definiere für einen Test das Größenverhältnis von Körper und Docht und den vorausgehenden Verlauf. „Sieht ungefähr wie ein Hammer aus“ führt zu nachträglicher Auswahl passender Beispiele.
Shooting Star
Ein Shooting Star hat einen kleinen Körper nahe dem unteren Ende und einen langen oberen Docht. Nach einem Anstieg kann er auf eine Zurückweisung höherer Preise hinweisen. Daraus folgt nicht, dass der Trend endet: Die nächste Kerze kann das Hoch trotzdem überschreiten.
Doji
Bei einem Doji liegen Eröffnung und Schluss eng beieinander. Die Länge der Dochte kann stark variieren. Das Muster beschreibt zunächst nur eine geringe Nettoveränderung in diesem Zeitabschnitt. Es ist nicht automatisch ein Umkehrsignal.
Vier weitere Kerzenmuster einordnen
| Muster | Beschreibung | Worauf die Definition achten muss |
|---|---|---|
| Inverted Hammer | Kleiner Körper, langer oberer Docht nach einem Rückgang | Ähnliche Form wie ein Shooting Star, aber anderer vorausgehender Verlauf |
| Bullish Engulfing | Auf einen fallenden Körper folgt ein steigender, der dessen Preisbereich umfasst | Gemeint sind zunächst die Körper, nicht zwingend Hoch und Tief |
| Morning Star | Lange fallende Kerze, kleiner Körper, danach deutliche steigende Kerze | Klassische Definitionen berücksichtigen Kurslücken; die gewählte Variante muss zum Markt passen |
| Three White Soldiers | Drei deutliche steigende Kerzen mit jeweils höherem Schluss nach einer Abwärtsphase | Körper, Dochte und Eröffnungen müssen nach einer festen Regel beurteilt werden |
Die IG-Einführung zeigt die konventionellen Formen dieser Candlesticks. Ihre Namen liefern keine feste Erfolgswahrscheinlichkeit. Ob eine daraus abgeleitete Regel nach Kosten trägt, ist eine separate Testfrage.
Engulfing ist nicht automatisch eine Außenkerze
Ein erfundenes Beispiel: Die erste Kerze eröffnet bei 102 und schließt bei 100; ihr Hoch liegt bei 104, ihr Tief bei 98. Die zweite eröffnet bei 99,50 und schließt bei 102,50; ihr Hoch beträgt 103 und ihr Tief 99. Ihr steigender Körper umfasst den ersten Körper vollständig. Ihr Hoch und Tief liegen aber innerhalb der vorherigen Spanne: Sie ist keine Außenkerze.
Erst mit dieser Unterscheidung kannst du einen Chart oder Scanner sinnvoll prüfen. Lege auch fest, ob gleiche Körpergrenzen genügen und wie du die vorausgehende Abwärtsbewegung bestimmst. Markiere Unterstützung oder Widerstand anhand der vorher bekannten Daten, bevor du den späteren Verlauf ansiehst.
Konsolidierung und Ausbruch
Eine Konsolidierung ist ein Bereich, in dem sich der Kurs zeitweise zwischen erkennbaren Grenzen bewegt. Für einen reproduzierbaren Test musst du festlegen, wie du diese Grenzen bestimmst: etwa aus Hoch und Tief eines festen Zeitfensters.
Ein Ausbruch kann je nach Regel ein kurzes Überschreiten, ein Schlusskurs außerhalb oder ein anschließender Rücktest sein. Diese Varianten erzeugen unterschiedliche Trades. Wähle deine Definition vor der Auswertung.
Ein Fehlausbruch liegt im Sinne vieler Strategien vor, wenn der Kurs die Grenze überschreitet und anschließend wieder in den Bereich zurückkehrt. Auch diese Bezeichnung braucht einen Zeitraum: Eine Rückkehr nach einer Minute ist etwas anderes als nach einem Tag.
Beispiel: derselbe Chart, zwei unterschiedliche Regeln
Stell dir eine fiktive Spanne zwischen 99 und 100 Euro vor. Der Kurs steigt auf 100,10 Euro, fällt auf 99,80 Euro und schließt die Fünf-Minuten-Kerze bei 99,90 Euro.
- Regel A: Einstieg beim ersten Überschreiten von 100 Euro. Diese Regel hätte einen Einstieg ausgelöst.
- Regel B: Einstieg erst nach einem Fünf-Minuten-Schlusskurs über 100 Euro. Diese Regel hätte keinen Einstieg ausgelöst.
Keine Regel ist damit allgemein besser. In einem anderen Verlauf läuft der Kurs ohne Rückkehr weiter und die spätere Bestätigung verteuert den Einstieg. Das Beispiel zeigt, weshalb eine rückblickend markierte Formation die tatsächlich handelbare Entscheidung nicht ersetzt.
Die Breakout-Strategie mit vollständiger Rechnung ergänzt dazu Positionsgröße, Stop, Kosten und Ausstieg.
Weitere Formen richtig einordnen
| Muster | Was du beschreibst | Was du zusätzlich prüfen musst |
|---|---|---|
| Doppeltop / Doppelboden | Zwei Hochs oder Tiefs in ähnlicher Preiszone | Abstand, Toleranz und definierter Bestätigungspunkt |
| Dreieck | Eine sich verengende Handelsspanne | Welche Hochs und Tiefs zählen und wann das Muster endet |
| Flagge | Eine kurze Gegenbewegung nach einem deutlichen Impuls | Definition des Impulses und der erlaubten Korrektur |
| Außenkerze | Hoch über und Tief unter der vorherigen Kerze | Schlusskurs, Lage im Verlauf und Ausstiegsregel |
Diese Muster sind nicht auf Aktien beschränkt. Unterschiedliche Produkte, Datenfeeds und Sitzungsgrenzen können aber unterschiedliche Kerzen erzeugen. Ein Chart beim Broker muss daher nicht exakt wie ein Chart einer anderen Datenquelle aussehen.
Zeitrahmen und Volumen
Lege zuerst den Zeitrahmen deiner Entscheidung fest. Wenn du nach einem Verlust beliebig in andere Zeitrahmen wechselst, änderst du die Regel während des Trades.
Volumen kann zusätzlichen Kontext liefern, etwa ob eine Bewegung von mehr Aktivität als im Vergleichszeitraum begleitet wird. Prüfe, was die Anzeige misst: Börsenvolumen eines bestimmten Handelsplatzes und brokerabhängiges Tickvolumen sind nicht dasselbe. Ein höherer Balken beweist weder die Richtung der nächsten Bewegung noch eine profitable Strategie.
Deine Chart-Checkliste
- Ist der verwendete Zeitabschnitt abgeschlossen?
- Ist die Formation nach einer vorher festgelegten Definition vorhanden?
- Sind Markt, Sitzung und Datenquelle eindeutig?
- Gibt es ein konkret definiertes Einstiegssignal?
- Wo ist die Idee ungültig, und wie groß wäre der geplante Verlust?
- Sind Kosten und eine ungünstige Ausführung berücksichtigt?
- Habe ich auch vergleichbare Fehlsignale dokumentiert?
Ergänze die Liste um die allgemeine Trading-Vorbereitung. Fotografiere nicht nur die schönen Beispiele: Für einen fairen Vergleich brauchst du auch die Fälle, in denen die Form klar erkennbar war und der Trade trotzdem verloren hätte.
Weiterlernen
Beginne mit einer Formation und übersetze sie in überprüfbare Regeln. Zum Nachlesen der Grundlagen bietet CME Group eine Einführung in die technische Analyse. Für den nächsten praktischen Schritt nutze unsere Strategieübersicht; einen zusammenhängenden Lernweg findest du im Buch „Der Trading-Code“.