Ein Marketmaker stellt Kauf- und Verkaufskurse und ist bereit, unter bestimmten Bedingungen selbst als Gegenpartei zu handeln. Dadurch kann er Liquidität bereitstellen. Die Rolle gibt es an Börsen und im außerbörslichen Handel; sie ist nicht auf CFD-Broker beschränkt.

Für dich sind die Bedingungen entscheidend: zu welcher Zeit, für welche Menge und nach welchen Regeln ein Preis handelbar ist. „Marketmaker“ bedeutet weder garantierte Sofortausführung noch automatisch Manipulation.

Geldkurs, Briefkurs und das Risiko dazwischen

Ein fiktiver Marketmaker quotiert eine Aktie mit 99,90 Euro Geldkurs und 100,10 Euro Briefkurs. Zum Geldkurs würde er kaufen, zum Briefkurs verkaufen. Für dich gilt entsprechend: Kauf zum Briefkurs, Verkauf zum Geldkurs. Die Spanne beträgt 0,20 Euro.

Kauft er zehn Aktien zu 99,90 Euro und verkauft dieselben zehn zu 100,10 Euro, ergibt das rechnerisch 2 Euro Bruttoertrag. Die Rechnung setzt voraus, dass beide Geschäfte tatsächlich zu diesen Preisen gelingen. Fällt der Markt nach seinem Kauf, kann die Zwischenposition stattdessen einen Verlust verursachen. Hinzu kommen Absicherungs-, Kapital- und Betriebskosten.

Der Spread ist deshalb kein sicherer Gewinn bei jedem einzelnen Geschäft. Auch ein Anbieter, der an Transaktionen verdient, kann zusätzliche wirtschaftliche Interessen haben. Seine Anreize solltest du aus dem Geschäftsmodell und den veröffentlichten Interessenkonfliktregeln beurteilen.

Börslicher Liquiditätsspender und CFD-Gegenpartei

Bei Xetra tragen unter anderem Designated Sponsors zur Liquidität bei. Ihre Tätigkeit unterliegt konkreten Vorgaben für Quotes; die Deutsche Börse erläutert diese Funktion. Ein börslicher Aktienkauf bleibt dabei ein Wertpapiergeschäft nach den Regeln des Handelsplatzes.

Bei einem CFD besteht dagegen ein Differenzvertrag mit dem Anbieter. Dieser kann Risiken im eigenen Buch übernehmen, Kundenpositionen wirtschaftlich gegeneinander verrechnen oder sich extern absichern. Die BaFin beschreibt diese Möglichkeiten. Du erwirbst durch seine Absicherung nicht selbst den Basiswert.

Eine externe Absicherung muss nicht für jeden Auftrag eins zu eins stattfinden. Aus dem Wort „Marketmaker“ allein kannst du daher weder die tatsächliche Absicherung noch die Qualität der Ausführung ablesen.

Was STP und ECN aussagen – und was offenbleibt

STP wird für automatisierte Verarbeitung beziehungsweise Weiterleitung verwendet. ECN bezeichnet ein elektronisches Netzwerk für zusammengeführte Handelsinteressen. In Brokerwerbung werden diese Begriffe unterschiedlich eingesetzt. Sie beantworten ohne Vertragsunterlagen nicht, wer dir das Geschäft rechtlich schuldet oder wo dein Auftrag ausgeführt wird.

Auch Weiterleitung kann Interessenkonflikte haben: etwa bei Auswahl einer Gegenpartei, Preisaufschlägen oder Vergütungen. Ein Dealing-Desk-Modell ist umgekehrt kein Beweis für unzulässiges Handeln. Die pauschale Einteilung „ECN neutral, Marketmaker unfair“ führt zu einer schlechten Prüfung.

Suche stattdessen in den Ausführungsgrundsätzen nach Gegenpartei, Ausführungsplätzen, Preisermittlung, Auftragsablehnung und dem Umgang mit Slippage. Prüfe die Informationen über Interessenkonflikte und frage bei unklaren Formulierungen schriftlich nach.

Ist Slippage ein Hinweis auf Manipulation?

Slippage ist die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis. Bewegte Märkte, geringe verfügbare Menge, Übertragungszeiten und Kurslücken können sie verursachen. Eine einzelne ungünstige Ausführung beweist keine Manipulation. Auch günstige Slippage ist möglich.

Für eine Untersuchung brauchst du passende Vergleichsdaten. Ein CFD auf einen Index kann auf einer anderen Preisgrundlage beruhen als der Indexstand einer Nachrichtenseite. Ein Chart kann den Geldkurs zeigen, während ein Kauf oder Short-Stop am Briefkurs ausgelöst wird. Unterschiedliche Zeitstempel und Zeitzonen erzeugen zusätzliche scheinbare Abweichungen.

Beispiel: Der angezeigte Geldkurs liegt bei 100,00, der Briefkurs bei 100,20. Ein Short-Stop bei 100,15 kann nach den vertraglichen Auslöseregeln bereits erreicht sein, obwohl der Geldkurs-Chart die Marke nicht berührt. Ob genau das bei deinem Auftrag gilt, steht in den Orderbedingungen. Der Stop-Loss-Leitfaden erklärt weitere Ausführungsrisiken.

Eine Ausführung nachvollziehbar reklamieren

  1. Sichere Auftragsnummer, Symbol, Menge, Richtung und Kontotyp.
  2. Notiere Auftragseingang, Auslösezeit und Ausführungszeit mit Zeitzone.
  3. Bewahre Abrechnung und relevante Bid-/Ask-Daten auf.
  4. Vergleiche dieselbe Preisquelle und Kontraktart, nicht nur ähnliche Charts.
  5. Bitte den Anbieter um eine schriftliche Erklärung anhand seiner Ausführungsgrundsätze.
  6. Nutze bei ungelöstem Streit das vorgesehene Beschwerde- oder Schlichtungsverfahren.

Veröffentliche dabei keine Kontonummern, Ausweisdokumente oder Zugangsdaten. Für die Auswahl des passenden Aufsichtsregisters hilft Broker-Regulierung.

Ein brauchbarer Vergleich bewertet nachvollziehbare Ausführung, Kosten und den Umgang mit Beschwerden. Ein werblicher Hinweis auf „echten Marktzugang“ ist dafür zu wenig; ebenso wenig genügt ein pauschaler Vorwurf gegen eine ganze Anbieterklasse.

Neu bearbeitet am 26. September 2026. Preise und Mengen sind fiktive Beispiele.

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