Ordergebühren sind nur ein Teil der Handelskosten. Eine ausgewiesene Provision von null Euro sagt nichts darüber aus, wie groß der Spread ist, ob eine Währungsumrechnung anfällt oder was eine gehaltene Position kostet. Für deinen Vergleich zählt ein vollständiger Vorgang: Einstieg, Haltedauer und Ausstieg.
Dabei gibt es zwei zulässige Rechenwege: eine Schätzung relativ zu einem Referenzpreis und die Abrechnung mit tatsächlichen Ausführungspreisen. Wer sie vermischt, zählt den Spread häufig doppelt.
Welche Kosten gehören auf den Zettel?
| Kostenbestandteil | Was du im Preisverzeichnis suchen solltest |
|---|---|
| Spread | Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs; variabel oder unter bestimmten Bedingungen fest |
| Orderkommission | Betrag je Seite, Prozentwert, Volumenstaffel und Mindestgebühr |
| Handelsplatz-/Fremdkosten | Zusätzliche Kosten abhängig vom Ausführungsweg |
| Finanzierung oder Leihe | Berechnung für Haltedauer, Richtung und Produkt |
| Währungsumrechnung | Umrechnungssatz, Aufschlag und betroffene Buchungen |
| Konto und Dienste | Verwahrung, Inaktivität, Marktdaten, Auszahlungen oder optionale Leistungen |
Nicht jeder Anbieter erhebt jede Position. Umgekehrt ist eine Aufzählung im Werbetext oft kein vollständiges Preisverzeichnis. Die AvaTrade-Gebührenseite unterscheidet beispielsweise Handels- und Inaktivitätskosten; XTB veröffentlicht konto- und produktbezogene Gebühren. Diese Verweise dienen der Quellenprüfung, nicht einer Preisrangliste.
Beispiel 1: Spread sichtbar machen
Ein fiktiver Aktien-CFD zeigt 146,21 Euro Geldkurs und 146,54 Euro Briefkurs. Die Differenz beträgt 0,33 Euro. Du kaufst zehn Einheiten zum Briefkurs und könntest sie bei unveränderten Kursen zum Geldkurs schließen:
10 × (146,21 − 146,54) = −3,30 Euro.
Das ist der Effekt des Spreads unter der Annahme unveränderter Preise und ausreichender Ausführbarkeit. Es ist kein pauschaler Tarif für einen echten Aktien-CFD. Eine zusätzliche Kommission würde den Verlust erhöhen.
Verkaufst du später tatsächlich zu 147,00 Euro, lautet das Preisergebnis dagegen 10 × (147,00 − 146,54) = 4,60 Euro. Darin ist der Einstieg zum Briefkurs bereits berücksichtigt. Nicht nochmals 3,30 Euro Spread abziehen. Separate Kommission und Finanzierung bleiben zusätzlich zu buchen. Die ausführliche CFD-Kostenrechnung zeigt weitere Fälle.
Beispiel 2: Zwei Tarife mit Mindestprovision
Für den Vergleich verwenden wir zwei frei erfundene Tarife. Tarif A verlangt 5 Euro je Auftrag. Tarif B verlangt 0,1 Prozent des Orderwerts, mindestens 2 Euro je Auftrag. Kauf- und Verkaufswert sollen zur Vereinfachung jeweils gleich hoch sein; Spreads und andere Kosten lassen wir hier weg.
| Orderwert je Seite | Kauf und Verkauf zusammen |
|---|---|
| 1.000 € | A: 10 €; B: 4 € wegen der Mindestgebühr |
| 5.000 € | A: 10 €; B: 10 € |
| 10.000 € | A: 10 €; B: 20 € |
Es gibt in diesem Modell keinen unabhängig vom Orderwert günstigsten Tarif. Bei Teilausführungen musst du außerdem klären, ob die Mindestgebühr einmal je Auftrag oder mehrfach anfällt. Die Antwort ist eine Vertragsfrage, keine universelle Regel.
Beispiel 3: Finanzierung über mehrere Nächte
Für ein Lernmodell nehmen wir 5.000 Euro Nominalwert, einen jährlichen Finanzierungssatz von 6 Prozent und drei berechnete Tage bei einer 365-Tage-Basis an:
5.000 × 0,06 × 3 / 365 = 2,46575… Euro, gerundet 2,47 Euro.
Der relevante Betrag ist hier der Nominalwert, nicht die hinterlegte Margin. Ein echter Anbieter kann jedoch andere Formeln, Tagesbasen, Zuschläge oder feste Werte je Lot verwenden. Wochenenden und Feiertage können durch Mehrfachbuchungen berücksichtigt werden. FxPro dokumentiert unterschiedliche Swap-Berechnungen und Buchungstage. Prüfe deshalb Datum, Richtung, Symbol und Einheit im jeweiligen Vertrag.
Ein alter Zinssatz oder eine allgemeine Angabe wie „nachts um 22 Uhr“ reicht nicht. Die Erläuterung zu Overnight-Positionen beschreibt die zusätzlichen Preis- und Terminrisiken.
Von Einzelkosten zum Jahresbudget
Angenommen, ein vollständiger Kauf-Verkauf-Vorgang kostet im Mittel 4 Euro, und du führst 200 solcher Vorgänge aus. Dann sind das 800 Euro, ohne weitere laufende Kosten. Die Zahl ist keine Prognose und kein Brokertarif. Sie zeigt, warum kleine Einzelbeträge bei häufigem Handel wichtig werden.
Kosten allein rechtfertigen aber keinen Trade und bestimmen nicht allein den besten Handelsweg. Eine geringere Provision kann durch schlechtere Ausführung oder einen größeren Spread übertroffen werden. Umgekehrt sind wenige teure Transaktionen nicht automatisch sinnvoller als viele günstige; entscheidend ist das gesamte belegte Ergebnis nach Kosten.
So prüfst du deine nächste Abrechnung
Halte Symbol, Menge, Kauf- und Verkaufspreis, Währung, separate Provision, Finanzierung und Umrechnung in einer Zeile fest. Vergleiche die Buchungen mit der gültigen Preisliste. Bei Abweichungen frage nach Berechnungsbasis und Rundung. Nutze dafür die Journal-Vorlage.
Speichere für einen Brokervergleich immer Datum und Kontomodell mit ab. Wer nur einen beworbenen „Spread ab …“ notiert, hat noch keine belastbare Kostenrechnung. Gebühren können sich ändern, und Mindestwerte sind keine Zusage für deine Handelszeit.
Redaktioneller Stand: 26. September 2026. Alle Zahlenbeispiele sind fiktiv. TradingCode hat Affiliate-Beziehungen zu AvaTrade und FxPro; die Quellenlinks oben sind direkte Dokumentationslinks.
Unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ ergänzt die Kostenrechnung um Grundlagen der Handelsplanung. Die aktuellen Preise deines Kontos prüfst du weiterhin anhand der jeweiligen Anbieterunterlagen.