Eine Option gibt dem Käufer ein vertraglich festgelegtes Recht. Ein Call bezieht sich auf einen Kauf, ein Put auf einen Verkauf des Basiswerts zum Ausübungspreis. Der Käufer zahlt dafür eine Prämie. Wer eine Option schreibt, übernimmt dagegen eine Verpflichtung nach den Vertragsbedingungen.
Dieser Artikel erklärt gewöhnliche Call- und Put-Optionen. Er ist keine Anleitung, nach wenigen Begriffen ungedeckte Optionen zu verkaufen. Insbesondere Prämie, Vertragsgröße und mögliche Lieferung müssen vor einem Auftrag klar sein.
- Call, Put, Long und Short auseinanderhalten
- Die Angaben eines Optionskontrakts lesen
- Call-Beispiel am Verfalltag
- Warum eine richtige Richtung trotzdem Geld kosten kann
- Ausüben, verkaufen und verfallen lassen
- Käufer und Stillhalter haben unterschiedliche Risiken
- Optionsschein und binäre Option sind andere Produkte
- Was du als Nächstes üben kannst
Call, Put, Long und Short auseinanderhalten
| Position | Grundidee |
|---|---|
| Long Call | Kauf einer Call-Option; Kaufrecht gegen Prämie |
| Long Put | Kauf einer Put-Option; Verkaufsrecht gegen Prämie |
| Short Call | Schreiben einer Call-Option; mögliche Liefer- oder Ausgleichspflicht |
| Short Put | Schreiben einer Put-Option; mögliche Abnahme- oder Ausgleichspflicht |
„Put“ bedeutet also nicht automatisch „short“. Wer einen Put kauft, ist long in dieser Option. Die Optionsgrundlagen des Options Industry Council beschreiben Rechte und Pflichten anhand standardisierter Aktienoptionen. Die konkrete Abrechnung kann sich bei anderen Basiswerten unterscheiden.
Die Angaben eines Optionskontrakts lesen
Du brauchst mindestens Basiswert, Call oder Put, Ausübungspreis (Strike), Verfall, Kontraktgröße und Abrechnungsart. Dazu kommen Ausübungsstil, Handelswährung und Handelszeiten. Ein Preis von „4“ allein sagt nicht, wie viel Geld für einen Kontrakt nötig ist.
Ein ausschließlich fiktiver Kontrakt in unserem Beispiel bezieht sich auf 100 Aktien. Die Prämie beträgt vier Euro je Aktie. Ein Kontrakt kostet daher 100 × 4 = 400 Euro zuzüglich Gebühren. Die Zahl 100 ist eine Annahme für dieses Beispiel; lies bei einem echten Produkt die Spezifikation, insbesondere nach Kapitalmaßnahmen.
Call-Beispiel am Verfalltag
Der Ausübungspreis beträgt 100 Euro. Wir berechnen das wirtschaftliche Ergebnis einer gekauften Call-Option am Verfall, ohne Gebühren, Steuern und Abwicklungsprobleme:
Ergebnis = [max(Aktienpreis − 100, 0) − 4] × 100.
| Aktienpreis am Verfall | Ergebnis des gekauften Calls |
|---|---|
| 95 € | Kein innerer Wert; −400 € |
| 100 € | Kein innerer Wert; −400 € |
| 102 € | 200 € innerer Wert minus 400 € Prämie: −200 € |
| 104 € | 400 € innerer Wert minus 400 € Prämie: 0 € |
| 110 € | 1.000 € innerer Wert minus 400 € Prämie: +600 € |
Der Basiswert kann also oberhalb des Strike liegen, während das Gesamtgeschäft noch verliert. Der rechnerische Break-even liegt in dieser Verfallrechnung bei 104 Euro, vor Kosten. Vor dem Verfall kann die Option einen anderen Marktwert haben.
Ein entsprechender gekaufter Put mit Strike 100 und angenommener Prämie drei Euro hätte am Verfall bei einem Aktienpreis von 90 Euro einen inneren Wert von zehn Euro je Aktie. Bei 100 Bezugsaktien wären das (10 − 3) × 100 = 700 Euro vor Kosten. Bei einem Aktienpreis von 105 Euro verfiele er im vereinfachten Beispiel wertlos: −300 Euro.
Warum eine richtige Richtung trotzdem Geld kosten kann
Der Optionspreis enthält neben einem möglichen inneren Wert einen weiteren Wertanteil. Restlaufzeit, erwartete Schwankung, Zinsen und Dividendenannahmen können den Preis beeinflussen. Der OIC erklärt diese Preisfaktoren.
Delta beschreibt die modellierte Reaktion auf eine kleine Bewegung des Basiswerts, Gamma die Veränderung des Delta, Theta den Zeiteffekt und Vega die Reaktion auf eine Änderung der impliziten Volatilität. Diese Größen gelten unter Modellannahmen und bei sonst gleichen Bedingungen. Sie sind keine festen Gewinnmultiplikatoren. Der OIC erläutert die Grenzen der Greeks.
Für eine Lernübung kannst du dieselbe Option an zwei Zeitpunkten beobachten: Hat sich der Basiswert verändert? Wie viel Laufzeit ist vergangen? Hat sich die implizite Volatilität geändert? Erst diese Trennung zeigt, warum der Optionspreis nicht einfach dem Aktienpreis folgt.
Ausüben, verkaufen und verfallen lassen
Der Verkauf einer bestehenden Long-Option schließt die Position, sofern die Order ausgeführt wird. Die Ausübung setzt dagegen das vertragliche Recht um. Bei physischer Lieferung kann daraus eine Aktienposition mit entsprechendem Kapitalbedarf entstehen; bei Barausgleich wird nach der festgelegten Methode abgerechnet.
Amerikanische Ausübung erlaubt eine Ausübung während der vorgesehenen Laufzeit, europäische Ausübung am vorgesehenen Termin. Die Begriffe benennen den Stil, nicht den Wohnort. Beim Schreiben amerikanischer Optionen kann eine Zuteilung vor dem Verfall auftreten. Der OIC beschreibt Ausübung, Zuteilung und Brokerfristen.
Kläre vorab, was dein Broker bei offenen Positionen am Verfall macht. „Ich muss die Option nicht ausüben“ bedeutet nicht, dass du automatische Abläufe, Fristen oder eine mögliche nachfolgende Position ignorieren kannst.
Käufer und Stillhalter haben unterschiedliche Risiken
Bei einer vollständig bezahlten einzelnen Long-Option ist der Verlust aus der Option selbst grundsätzlich auf die gezahlte Prämie begrenzt; Gebühren kommen hinzu. Eine nach Ausübung entstandene Position hat eigene Risiken. Ein Totalverlust der Prämie ist möglich, auch wenn der Basiswert nur wenig schwankt.
Beim ungedeckten Short Call kann der theoretische Verlust ohne feste Obergrenze wachsen. Beim Short Put ist er erheblich, wenn der Basiswert stark fällt. Die erhaltene Prämie ist kein risikoloses Einkommen. Die OIC-Grundlagen stellen diesen Unterschied ausdrücklich heraus. Aus der Häufigkeit nicht ausgeübter Optionen lässt sich außerdem keine pauschale Gewinnquote eines Stillhalters ableiten.
Optionsschein und binäre Option sind andere Produkte
Ein Optionsschein ist ein vom Emittenten ausgegebenes Wertpapier mit eigenen Bedingungen und Emittentenrisiko. Er ist nicht identisch mit einer standardisierten Börsenoption. Beide pauschal gleichzusetzen führt zu falschen Annahmen über Handel und Gegenpartei.
Binäre Optionen besitzen eine andere Auszahlungsstruktur. Für deren Vermarktung, Vertrieb und Verkauf an Kleinanleger in Deutschland gilt die BaFin-Produktintervention mit eng beschriebenen Ausnahmen. Alte Aussagen, dieser Handel sei einfach seit 2008 freigegeben, sind keine brauchbare Grundlage für eine heutige Entscheidung.
Was du als Nächstes üben kannst
Rechne zuerst einen Call und einen Put zum Verfall auf Papier. Ergänze danach Gebühren und beschreibe schriftlich, was bei Ausübung im Konto entsteht. Erst wenn diese Schritte verständlich sind, lässt sich ein Demotest sinnvoll auswerten. Unser Lernplan und unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ bieten einen breiteren Einstieg in Handelsplanung und Risiko.