Volumen zeigt Handelsaktivität, aber nicht automatisch die nächste Kursrichtung. Bevor du daraus eine Entscheidung ableitest, musst du wissen, was deine Daten tatsächlich zählen: gehandelte Stücke, Futures-Kontrakte oder lediglich Kursupdates.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn du Aktien, Futures und Forex- beziehungsweise CFD-Charts vergleichst. Zwei ähnlich aussehende Balken können unterschiedliche Größen darstellen.
Was steht hinter einem Volumenbalken?
| Datentyp | Was gezählt wird |
|---|---|
| Aktienvolumen | Gehandelte Aktien im erfassten Markt und Zeitraum; ein einzelner Handelsplatz deckt nicht automatisch alle Umsätze ab |
| Futures-Volumen | Gehandelte Kontrakte des ausgewählten Produkts beziehungsweise Verfalls |
| Tickvolumen | Anzahl empfangener Ticks oder Kursupdates im betrachteten Zeitabschnitt gemäß Datenfeed |
| Open Interest | Noch offene Futures- beziehungsweise Optionskontrakte; keine Zahl der Tagestransaktionen |
Die CME erklärt Handelsvolumen und getrennt davon Open Interest. Ein Kontrakt kann im Laufe eines Tages mehrfach gehandelt werden. Dadurch steigt das Handelsvolumen, ohne dass die Zahl offener Kontrakte im selben Umfang steigen muss.
Die MetaTrader-Dokumentation zu Preisdaten unterscheidet Tickvolumen und tatsächliches Handelsvolumen; Letzteres kann für außerbörsliche Märkte fehlen. Ein Forex-Tickbalken aus einem Brokerfeed ist deshalb kein vollständiger weltweiter Devisenumsatz.
Volumen ist keine Abstimmung mit mehr Käufern als Verkäufern
Jeder ausgeführte Handel hat beide Seiten. Werden 100 Aktien übertragen, sagt diese Information allein nicht, ob der Käufer oder Verkäufer aggressiver war oder welche Absicht dahinterstand. Steigende Preise bei hohem Volumen können mit starkem Kaufinteresse vereinbar sein; daraus folgt keine gesicherte Fortsetzung.
Ebenso bedeutet ein großer roter Balken nicht, dass eine genau bekannte Geldsumme „aus der Aktie geflossen“ ist. Übliche Volumenindikatoren verarbeiten Preis und Stückzahl nach einer Formel. Sie messen nicht die Bankkonten sämtlicher Marktteilnehmer.
Ein sichtbares Orderbuch enthält außerdem noch nicht ausgeführte Aufträge. Diese können verändert oder gelöscht werden. Historisches Handelsvolumen und aktuell angebotene Liquidität sind verschiedene Informationen.
Relatives Volumen sinnvoll vergleichen
Angenommen, die erste Handelsstunde einer Aktie umfasst heute 180.000 Stück. In den vorherigen 20 vergleichbaren Sitzungen lag der Durchschnitt derselben ersten Stunde bei 100.000 Stück. Dann beträgt das relative Volumen:
180.000 / 100.000 = 1,8.
Heute wurden in diesem Vergleich also 80 Prozent mehr Stücke gehandelt. Daraus folgt noch nicht, ob ein Long- oder Short-Einstieg sinnvoll ist. Es kann ein Unternehmensbericht, eine Indexanpassung oder ein anderes Ereignis vorliegen.
Vergleiche eine laufende Stunde nicht mit einem vollständigen Handelstag. Für Intraday-Vergleiche sind gleiche Tageszeiten, Sitzungsgrenzen und Datenquellen wichtig. Auch bei Futures kann der Wechsel vom auslaufenden zum nächsten Kontrakt den Umsatz stark verschieben. Eine abnehmende Aktivität im alten Kontrakt ist nicht automatisch ein nachlassendes Interesse am gesamten Markt.
OBV selbst berechnen
Beim On-Balance Volume (OBV) wird das Periodenvolumen addiert, wenn der Schlusskurs gegenüber der Vorperiode steigt, und abgezogen, wenn er fällt. Bei unverändertem Schlusskurs bleibt der Wert gleich. Diese Rechenregel beschreibt auch MetaTrader in seiner OBV-Dokumentation.
Wir beginnen für eine eigene Übung mit OBV null und einem vorherigen Schlusskurs von 50 Euro:
| Beobachtung | Neuer OBV-Wert |
|---|---|
| Schlusskurs 51 €, Volumen 1.000 | 0 + 1.000 = 1.000 |
| Schlusskurs 50,50 €, Volumen 800 | 1.000 − 800 = 200 |
| Schlusskurs 50,50 €, Volumen 1.200 | unverändert 200 |
| Schlusskurs 52 €, Volumen 1.500 | 200 + 1.500 = 1.700 |
Der Startwert ist für diese Darstellung willkürlich. Besonders wichtig: OBV ordnet einer Periode das gesamte Volumen nach der Richtung der Schlusskursänderung zu. Schon ein minimal höherer Schlusskurs führt zur vollständigen Addition. Das ist eine grobe Verdichtung, keine genaue Trennung tatsächlich aggressiver Käufe und Verkäufe.
Wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht und OBV nicht, nennt man das häufig eine Divergenz. Sie kann eine Hypothese für eine weitere Prüfung liefern, beweist aber weder einen bevorstehenden Trendbruch noch seinen Zeitpunkt.
Weitere Volumenwerkzeuge einordnen
Der Chaikin Money Flow (CMF) gewichtet Volumen anhand der Lage des Schlusskurses innerhalb der jeweiligen Hoch-Tief-Spanne. Die Erklärung von Chaikin Analytics beschreibt den vom Namensgeber entwickelten Ansatz. Auch dieses „Money Flow“ ist ein berechneter Indikator, kein direkt beobachteter Nettokapitalstrom.
Ein Volumenprofil ordnet Aktivität Preisbereichen zu statt nur Zeitabschnitten. Daraus lässt sich ablesen, in welchen erfassten Zonen viel gehandelt wurde. Eine solche Zone muss den Kurs bei einem erneuten Kontakt nicht halten.
Achte auf die konkrete Software: TradingView erläutert für seine Volumenprofile, dass Up- und Down-Volumen anhand von Preisrichtungen innerhalb von Balken bestimmt werden. Eine Anzeige mit dem Wort „Delta“ muss daher nicht dieselbe Berechnung verwenden wie ein Feed mit tatsächlicher Zuordnung zur aggressiven Orderseite. Vergleiche zuerst die Methoden, dann die Signale.
Volumenfilter für einen Ausbruch testen
Eine überprüfbare Lernidee lautet: Eine Aktie schließt oberhalb des Hochs der vorherigen 20 Tage, und ihr Tagesvolumen ist mindestens 1,5-mal so hoch wie das mittlere Tagesvolumen der vorherigen 20 Tage. Beide Bedingungen werden erst nach Handelsschluss ausgewertet. Der Signaltag ist in keiner Referenzberechnung enthalten.
Angenommen, die Referenz liegt bei 100.000 Stück und der Signaltag erreicht 170.000: Der Filter ist mit 1,7 erfüllt. Bei einem Tagesvolumen von 140.000 wäre er nicht erfüllt, auch wenn der Kurs ausgebrochen ist. Einstieg, Stop und Positionsgröße bleiben eigenständige Regeln; das Volumen legt sie nicht fest.
Der entscheidende Vergleich besteht nun aus zwei ansonsten identischen Tests: Ausbruch ohne Filter und Ausbruch mit Filter. Erfasse Kosten, ausgelassene Gewinner, vermiedene Verluste und verbleibende Zahl der Trades. Weniger Trades und eine höhere Trefferquote allein beweisen noch keinen besseren Gesamtertrag oder geringeren Drawdown. Die Donchian-Channel-Strategie liefert die passende Grundlage für den Preisvergleich.
Checkliste für einen brauchbaren Volumenchart
Prüfe Datenquelle, erfasste Handelsplätze, Einheit, Sitzungszeiten und gegebenenfalls Futures-Verfall. Kläre, ob die aktuelle Kerze bereits abgeschlossen ist und ob Sonderereignisse den Vergleich verzerren. Dokumentiere die Einstellungen im Trading-Journal, damit spätere Auswertungen auf derselben Datenbasis stehen.
Unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ bietet den Einstieg in Marktanalyse, Handelsideen und Risiko. Volumen kann diese Analyse ergänzen; es ersetzt keine vollständige Strategie.
Stand: 26. September 2026. Die Zahlen und Filtergrenzen sind fiktive Lernbeispiele und nicht als profitabel nachgewiesen.