Der Donchian Channel bildet das höchste Hoch und das tiefste Tief eines festgelegten Beobachtungsfensters ab. Die Mitte ist der Durchschnitt beider Grenzen. Ein Kontakt mit einer Linie ist aber noch keine vollständig definierte Handelsentscheidung.
Für eine prüfbare Breakout-Regel musst du zusätzlich festlegen, welche Kerzen in die Berechnung eingehen, wann das Signal feststeht und zu welchem Preis eine Order überhaupt ausgeführt werden könnte. Dieser Artikel zeigt eine eigene, vereinfachte Lernvariante mit einem Verlustfall. Er behauptet keinen Gewinnvorteil.
So werden die drei Linien berechnet
Die Grunddefinition lautet: Oberband = höchstes Hoch, Unterband = tiefstes Tief, Mittellinie = (Oberband + Unterband) ÷ 2. Sie wird auch in der Donchian-Dokumentation von TradingView beschrieben.
Für unsere Ausbruchserkennung verwenden wir ausdrücklich die drei vorherigen abgeschlossenen Kerzen. Die gerade bewertete Kerze ist ausgeschlossen. Diese kleine Periode erleichtert das Nachrechnen und ist keine empfohlene Handelseinstellung. Welche Kerzen eine Plattformanzeige einschließt, musst du dort gesondert prüfen.
Ein Datensatz mit sechs Kerzen
Alle Werte sind erfunden. Die Fünf-Minuten-Kerzen liegen in einem angenommenen Übungsfenster von 09:00 bis 09:30 Uhr, Zeitzone Europe/Berlin. Das ist kein Datensatz eines echten Handelstags und keine aktuelle Handelszeit eines bestimmten Produkts.
| Kerze | Zeitraum | Open | Hoch | Tief | Schluss |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 09:00–09:05 | 100 | 102 | 99 | 101 |
| 2 | 09:05–09:10 | 101 | 103 | 100 | 102 |
| 3 | 09:10–09:15 | 102 | 104 | 101 | 103 |
| 4 | 09:15–09:20 | 103 | 106 | 102 | 105 |
| 5 | 09:20–09:25 | 105 | 107 | 100 | 101 |
| 6 | 09:25–09:30 | 101 | 102 | 98 | 99 |
Für Kerze 4 stammen die Grenzen ausschließlich aus Kerzen 1–3: Oberband 104, Unterband 99, Mitte 101,5. Nach Abschluss der Kerze 4 steht ihr Schlusskurs 105 fest. Er liegt über der vorher berechenbaren Grenze 104.
Für Kerze 5 rollt das Fenster auf Kerzen 2–4: Oberband 106, Unterband 100, Mitte 103. Die Grenze 106 darf nicht rückwirkend zur Bewertung des Signals von Kerze 4 verwendet werden.
Warum der Ausschluss der aktuellen Kerze wichtig ist
Wenn du Kerze 4 in ihr eigenes Oberband einbeziehst, springt die Grenze mit ihrem Hoch auf 106. Ihr Schluss 105 liegt dann nicht darüber. Du hast eine andere Definition verwendet, nicht denselben Ausbruch widerlegt.
Eine während der laufenden Kerze sichtbare Überschreitung kann zudem bis zum Schluss wieder verschwinden. Unsere Variante wartet deshalb auf den Schluss. Eine Intraday-Überschreitungsregel wäre ein anderes Modell und könnte andere Orders auslösen. Beides darf in einem Test nicht je nach Ergebnis gewechselt werden.
Eine eindeutige Lernregel statt eines Pfeils im Chart
Unser Musterplan ist bewusst eingeschränkt:
- Nur Long, höchstens ein Einstiegsversuch im Übungsfenster und keine Aufstockung.
- Ein Signal entsteht, wenn eine abgeschlossene Kerze über dem Oberband der drei vorherigen Kerzen schließt.
- Der Einstieg wird erst zur nächsten Kerzeneröffnung geprüft. Weicht der verfügbare Einstieg um mehr als 0,5 Punkte vom Signalschluss ab, wird der Versuch ausgelassen. Das ist eine Modellregel, keine universelle Toleranz.
- Der geplante Anfangsstop liegt zwei Punkte unter dem Einstieg. Der Abstand bleibt fest; hier wird kein ATR-Stop verwendet.
- Ohne vorherigen Stop folgt ein Ausstieg zur nächsten Eröffnung, falls eine abgeschlossene Kerze unter dem Unterband ihrer drei Vorgänger schließt. Spätestens um 09:30 wird eine noch offene Position zur Schließung aufgegeben.
- Keine neue Position um oder nach 09:30; nach dem ersten Versuch kein erneuter Einstieg. Ausführungspreise müssen dokumentiert werden.
Im realen Markt kann eine Orderbedingung nicht nachträglich eine schlechtere Ausführung verhindern. Die 0,5-Punkte-Regel entscheidet in diesem Lernmodell, ob eine Order überhaupt aufgegeben wird. Orderart, Kursseite, Kurslücken und Latenz müssten für einen belastbaren Test zusätzlich als Ausführungsmodell festgelegt werden. OHLC-Daten allein liefern keine vollständige Reihenfolge aller Bewegungen innerhalb einer Kerze.
Der Verlustfall: trotz korrektem Signal
Nach Kerze 4 liegt das Signal vor. Die nächste Eröffnung beträgt 105; die Abweichung zum Signalschluss ist null. Wir nehmen eine tatsächliche Ausführung zu 105, einen Stop bei 103, zehn Einheiten und einen Punktwert von einem Euro je Einheit an.
Das geplante Kursrisiko beträgt (105 − 103) × 10 × 1 Euro = 20 Euro. Kerze 5 fällt bis 100. Für unseren Beispieltrade nehmen wir ausdrücklich an, dass die Stop-Order zuvor zu 103 ausgeführt wird. Damit entstehen −20 Euro, bei zwei Euro separaten Gebühren −22 Euro.
Die Kerze erreicht auch ein Hoch von 107. Daraus darfst du keinen mitgenommenen Gewinn ableiten: Unser Regelblatt hat kein Gewinnziel, und ein Kerzenhoch ist keine ausgeführte Verkaufsorder. Bei einem schlechteren Stoppreis wäre der Verlust größer.
Von drei Kerzen zu einem echten Test
Die CSV mit Kursen und vorherigen Kanalgrenzen und das druckbare Regelblatt machen die Lernrechnung nachvollziehbar. Sie liefern keinen Backtest.
Zwanzig Fünf-Minuten-Kerzen bilden bei lückenloser Folge 100 Minuten ab; zwanzig Tageskerzen einen anderen Zeitraum. Auch Sessiongrenzen und fehlende Daten zählen. Die Turtle-Einordnung erklärt, warum eine kurze CFD-Variante keine automatische Übertragung des historischen Systems ist.
Wenn du den festen Stop durch einen ATR-Abstand ersetzt, dokumentiere die Änderung als neue Regelversion. Verwende ein Trading-Journal, das auch Verluste und ausgelassene Versuche festhält. Der Tradingplan verbindet diese Schritte; die Buchseite zu „Der Trading-Code“ führt zum umfassenderen Lernweg.