Trendfolge versucht, an einer bereits begonnenen Kursbewegung teilzunehmen. Sie muss weder das Tief kaufen noch das Hoch verkaufen. Stattdessen legen Regeln fest, wann eine Bewegung als ausreichend deutlich gilt und wann eine Position wieder geschlossen wird.

Diese Einfachheit hat einen Preis: Manche Einstiege kommen spät, manche Signale enden schnell im Verlust, und ein Teil eines Buchgewinns kann vor dem Ausstieg wieder verschwinden. Eine Trendfolgestrategie muss deshalb als vollständige Serie beurteilt werden, nicht anhand eines idealen Chartbilds.

Was gilt als Trend?

Ein charttechnischer Aufwärtstrend wird häufig durch steigende Hochs und steigende Tiefs beschrieben. Für einen Abwärtstrend gilt die umgekehrte Struktur. Eine Seitwärtsphase besitzt keine ausreichend beständige Richtung für die gewählte Regel.

„Ausreichend“ muss messbar werden. Zwei Menschen können dieselben kleinen Schwankungen unterschiedlich als Hoch und Tief markieren. Eine Alternative sind feste Regeln: beispielsweise ein Schlusskurs über dem Hoch einer definierten Zahl vorheriger Perioden oder eine bestimmte Relation zu einem gleitenden Durchschnitt.

Der Zeitrahmen gehört zur Definition. Eine Aktie kann im Tageschart steigen, während der Stundenchart eine Abwärtskorrektur zeigt. Das ist kein Widerspruch. Problematisch wird es, wenn du nach einem Verlust den Zeitrahmen wechselst, um den ursprünglichen Ausstieg zu umgehen.

Bewegung, Korrektur und Trendbruch

Eine Korrektur ist eine Bewegung gegen die betrachtete Trendrichtung. Ob daraus ein Trendbruch wird, ist im Voraus nicht sicher bekannt. Der Unterschied wird erst durch deine Regel operationalisiert: etwa ein Schlusskurs unter einer definierten Marke oder die Auslösung eines festgelegten Stops.

Ein Stop knapp unter jedem kleinen Rücksetzer kann häufig auslösen; ein weiter entfernter Stop gibt mehr Raum, vergrößert aber bei gleicher Menge den Verlust bis zum Stop. Die Position muss daher zur Distanz passen. Der ATR-Leitfaden zeigt eine Möglichkeit, Schwankungsbreite in diese Planung einzubeziehen.

Eine vollständige Lernregel mit Kanal

Für eine fiktive Aktie verwenden wir folgende nicht optimierte Testregeln:

  1. Signal: Ein abgeschlossener Tageskurs liegt über dem höchsten Hoch der vorherigen 20 abgeschlossenen Tage. Der Signaltag zählt nicht in diesen Vergleich hinein.
  2. Einstieg: Erst am folgenden Handelstag wird gekauft, sofern der verfügbare Preis die vorher festgelegte Preisgrenze nicht überschreitet. Ohne akzeptablen Preis entfällt der Einstieg.
  3. Anfänglicher Stop: Vor der Order wird eine feste Verlustmarke festgelegt und daraus die Stückzahl berechnet.
  4. Nachziehen: Nach jedem Tag wird das tiefste Tief der vergangenen zehn abgeschlossenen Tage geprüft. Liegt es oberhalb des bisherigen Stops, wird der Stop auf diesen Wert angehoben; andernfalls bleibt er bestehen.
  5. Ausstieg: Sobald der Stop nach den tatsächlichen Orderbedingungen auslöst, wird die Position geschlossen. Ein zusätzliches festes Gewinnziel ist in dieser Variante nicht vorgesehen.

Die Reihenfolge verhindert, dass Informationen aus der Zukunft in den Einstieg gelangen. Wird ein Signal erst nach Tagesschluss festgestellt, darf ein Backtest nicht rückwirkend einen beliebigen günstigeren Tageskurs als Kauf verbuchen. Die Donchian-Channel-Anleitung vertieft die Kanalberechnung.

Zahlenbeispiel: warum ein guter Trade nicht am Hoch endet

Angenommen, der Einstieg erfolgt zu 102 Euro, der anfängliche Stop liegt bei 97 Euro. Du kaufst zehn Aktien. Der geplante Kursverlust beträgt zehn × fünf = 50 Euro. Für Kauf und Verkauf zusammen rechnen wir mit sechs Euro separaten Gebühren.

Später steigt der Kurs bis 120 Euro. Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Buchgewinn vor Kosten 180 Euro. Dein inzwischen angehobener Stop liegt bei 113 Euro. Anschließend fällt der Kurs, und die Position wird im Beispiel zu 113 Euro geschlossen:

10 × (113 − 102) − 6 = 104 Euro Gewinn vor Steuern.

Du hast 70 Euro des zuvor erreichten Buchgewinns abgegeben und trotzdem die Regel eingehalten. Wäre die Position gleich nach dem Einstieg zu 97 Euro ausgestoppt worden, hätte das Ergebnis −56 Euro betragen. Bei einem Gap mit Ausführung zu 94 wären es −86 Euro.

Der Stop zeigt eine geplante Reaktion, keine Gewissheit über den erzielbaren Preis. Sieh dazu die Erklärung zu Stop-Loss-Orders.

Warum mehrere kleine Verluste dazugehören können

In einer Seitwärtsphase kann der Kurs wiederholt über ein Referenzhoch steigen und kurz danach zurückfallen. Ein Trendfolger kauft dann möglicherweise mehrmals, ohne eine längere Bewegung zu erwischen. Diese Fehlsignale werden häufig als „Whipsaws“ bezeichnet.

Eine reine Modellserie zeigt, weshalb die Trefferquote allein wenig sagt: Sechs Verluste von jeweils 50 Euro und vier Gewinne von jeweils 120 Euro ergeben −300 + 480 = 180 Euro vor Kosten. Bei fünf Euro Kosten pro abgeschlossenem Trade bleiben 130 Euro. Die Trefferquote beträgt trotzdem nur 40 Prozent.

Das ist keine erwartete Rendite. Bleiben die vier großen Gewinner aus oder fallen kleiner aus, kann die gesamte Serie negativ werden. Ein vollständiger Test muss deshalb Verlustserien, Drawdown, Kosten und die Abhängigkeit von wenigen großen Trades zeigen. Mehr dazu im Artikel zum Profitfaktor.

Was die Forschung belegt und was sie offenlässt

Die Originalarbeit „Time Series Momentum“ von Moskowitz, Ooi und Pedersen untersucht historische Futures- und Forward-Daten mehrerer Anlageklassen. Sie dokumentiert Zusammenhänge zwischen vergangenen und späteren Renditen auf deutlich längeren Horizonten als einem einzelnen Intraday-Signal.

Daraus folgt nicht, dass unsere 20-Tage-Lernregel oder ein beliebiger CFD-Ansatz profitabel ist. Instrumente, Zeitraum, Portfoliokonstruktion, Kosten und Umsetzung müssen getrennt geprüft werden. Ebenso beweist ein historischer Trendfolgeerfolg nicht, dass die nächste Seitwärtsphase kurz bleibt.

Die Turtle-Trading-Erklärung ordnet einen bekannten systematischen Ansatz ein. Sie ist ein Ausgangspunkt für das Verständnis von Regeln, keine Zusicherung, historische Ergebnisse mit einem kleinen Konto nachzubilden.

Die wichtigsten Tests vor einer Umsetzung

Prüfe unterschiedliche Marktphasen und die Kosten des tatsächlich verwendeten Produkts. Variiere Parameter maßvoll: Funktioniert ein Ansatz nur bei exakt 20 Tagen, bricht aber bei 19 oder 21 vollständig zusammen, ist das ein Anlass, seine Robustheit zu hinterfragen. Das allein beweist jedoch noch keinen Fehler.

Halte einen bislang ungenutzten Prüfzeitraum zurück. Vergleiche für Long-only-Aktienstrategien außerdem, was das Halten des betrachteten Marktes im gleichen Zeitraum bewirkt hätte, einschließlich der jeweiligen Risiken. Für systematische Tests kann Auto-Trading helfen; schlechte Daten oder falsche Ausführungsannahmen automatisieren auch falsche Ergebnisse.

Wenn du mehrere Märkte handelst, addiere nicht nur ihre Einzelrisiken. Verwandte Instrumente können gleichzeitig gegen dich laufen. Auch Trends in mehreren Aktien desselben Sektors sind keine garantierte Risikostreuung.

Den Ansatz in einen Lernplan übersetzen

Wähle zunächst eine Trenddefinition, einen Zeitrahmen und eine Ausstiegsregel. Trage alle Signale einschließlich ausgelassener Einstiege und Fehlsignale in dein Journal ein. Ändere Regeln nur zwischen klar getrennten Testserien, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben.

Unser eigenes Buch „Der Trading-Code“ verbindet Trend- und Ausbruchsideen mit Orders und Risikomanagement. Es ergänzt den Lernweg; die konkrete Umsetzung benötigt weiterhin eigene, nachvollziehbare Prüfung.

Neu bearbeitet am 26. September 2026. Alle Zahlen und Testregeln sind fiktive Lernbeispiele.