Ein Bullenmarkt, auch Hausse genannt, ist eine länger anhaltende Phase steigender Kurse im betrachteten Markt. Ein Bärenmarkt beziehungsweise eine Baisse beschreibt die Gegenrichtung. Die Begriffe helfen, einen Verlauf einzuordnen; sie bestimmen weder den nächsten Kurs noch deinen persönlichen Einstieg.
Dabei ist immer entscheidend, welcher Markt, welcher Zeitraum und welche Messmethode gemeint sind. Ein steigender Aktienindex schließt fallende Einzelaktien ebenso wenig aus wie deutliche Rücksetzer innerhalb des Index.
- Was bedeutet die 20-Prozent-Regel?
- Ein neuer Bullenmarkt kann noch unter dem alten Hoch liegen
- Wie sich eine Aufwärtsphase untersuchen lässt
- Warum gute Konjunkturdaten nicht genügen
- Bullenfalle: ein konkretes Verlustbeispiel
- Was ein Bullenmarkt für deine Strategie verändert
- Eine praktische Prüfliste
Was bedeutet die 20-Prozent-Regel?
Häufig wird ein Anstieg von mindestens 20 Prozent gegenüber einem vorherigen Tief als Bullenmarkt bezeichnet. Investor.gov, das Anlegerportal der SEC, nennt dafür einen breiten Marktindex und einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten. Andere Veröffentlichungen können andere Abgrenzungen verwenden.
Das ist eine Beschreibungskonvention, kein Naturgesetz. Eine Bewegung von 19,9 auf 20,1 Prozent verändert den Markt nicht schlagartig. Die Wahl des Tiefs und der verwendeten Kurse beeinflusst außerdem, wann die Schwelle als erreicht gilt.
| Begriff | Was damit gemeint ist |
|---|---|
| Bullenmarkt / Hausse | Eine anhaltende Aufwärtsphase des betrachteten Marktes |
| Bullish | Eine Erwartung steigender Kurse; sie kann sich auch auf einen einzelnen kurzen Trade beziehen |
| Rücksetzer / Korrektur | Eine Bewegung gegen den zuvor betrachteten Anstieg |
| Bullenfalle | Ein vermeintliches Aufwärtssignal, auf das eine Umkehr nach unten folgt |
Die geläufige Tiermetapher stellt die nach oben stoßenden Hörner des Bullen dem nach unten gerichteten Tatzenhieb des Bären gegenüber. Für deine Analyse ist die konkrete Definition aber hilfreicher als eine Herkunftslegende.
Ein neuer Bullenmarkt kann noch unter dem alten Hoch liegen
Ein fiktiver Index fällt von 100 auf 70 Punkte. Das ist ein Rückgang um 30 Prozent. Anschließend steigt er auf 84 Punkte: (84 − 70) / 70 = 20 Prozent Erholung vom Tief.
Trotz dieser Erholung liegt er noch 16 Prozent unter dem Ausgangswert 100. Um von 70 wieder 100 zu erreichen, wäre ein Anstieg von 42,86 Prozent erforderlich. Prozentuale Verluste und Gewinne heben sich also nicht symmetrisch auf.
Das erklärt, weshalb eine Schlagzeile über einen neuen Bullenmarkt für jemanden, der am früheren Hoch gekauft hat, noch keinen Gewinn bedeutet. Dein Einstand, die Kosten und das tatsächlich gehaltene Instrument bleiben maßgeblich.
Wie sich eine Aufwärtsphase untersuchen lässt
Beginne mit dem beobachteten Index oder Instrument und einer festen Zeiteinheit. Im Tageschart kannst du prüfen, ob Hochs und Tiefs über die Zeit steigen. Ein gleitender Durchschnitt kann die Kursreihe glätten; er enthält aber nur vergangene Daten und reagiert verzögert.
Ergänzend lässt sich die Marktbreite untersuchen: Steigen viele Indexmitglieder oder tragen wenige hoch gewichtete Unternehmen den Anstieg? Ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index kann zulegen, obwohl zahlreiche Bestandteile fallen. Diese Beobachtung ist ein Hinweis auf die Zusammensetzung der Bewegung, kein automatischer Verkaufsauslöser.
Vergleiche außerdem denselben Indextyp. Ein Kursindex und ein Index mit reinvestierten Ausschüttungen messen unterschiedliche Ergebnisse. Auch die Währung kann die Perspektive ändern. Dokumentiere daher Quelle und Berechnungsbasis, bevor du Zeitreihen oder Schlagzeilen vergleichst.
Die Chartanalyse-Grundlagen erklären, wie du Kursdaten korrekt liest. In der Trendfolge wird daraus eine ausdrücklich definierte Handelsregel.
Warum gute Konjunkturdaten nicht genügen
Steigende Gewinne, bessere Wachstumsaussichten oder veränderte Finanzierungskosten können Bewertungen beeinflussen. Kurse reagieren jedoch auf Erwartungen und deren Änderungen. Ein Markt kann steigen, während veröffentlichte Wirtschaftsdaten noch schwach sind, oder fallen, obwohl aktuelle Unternehmensgewinne gut aussehen.
Deshalb ist „die Wirtschaft läuft gut“ keine vollständige Timing-Regel. Ebenso wenig lässt sich aus einem starken vergangenen Jahr ableiten, wie lange eine Hausse noch dauern wird. Historische Durchschnittslängen hängen vom ausgewählten Markt, dem Zeitraum und der Definition von Anfang und Ende ab. Sie sind keine Restlaufzeit für die gegenwärtige Phase.
Wer einzelne Unternehmen beurteilt, sollte Geschäftsmodell, Bewertung und Verschuldung separat prüfen. Der Artikel zur Fundamentalanalyse zeigt dafür einen einfachen Arbeitsablauf.
Bullenfalle: ein konkretes Verlustbeispiel
Eine fiktive Aktie schwankt mehrfach unter 50 Euro und schließt anschließend bei 51 Euro. Du interpretierst das als Ausbruch und kaufst zehn Aktien zu 51 Euro. Der vorgesehene Stop liegt bei 48,50 Euro.
Steigt die Aktie weiter und du verkaufst zu 55 Euro, beträgt der Kursgewinn 40 Euro. Bei vier Euro separaten Gesamtgebühren bleiben 36 Euro vor Steuern. Kehrt sie stattdessen zurück und du wirst genau zu 48,50 Euro ausgeführt, lautet das Ergebnis 10 × (48,50 − 51) − 4 = −29 Euro.
Eine Bullenfalle lässt sich in der Rückschau leicht benennen. Beim Einstieg stand die spätere Umkehr noch nicht fest. Ein gewöhnlicher Stop kann bei einem Gap zudem schlechter ausgeführt werden. Die Unterstützungs- und Widerstandsanalyse hilft, solche Szenarien vorab zu formulieren, ohne eine Linie für unüberwindbar zu halten.
Was ein Bullenmarkt für deine Strategie verändert
Ein Long-orientierter Ansatz kann von einer Aufwärtsphase profitieren, bleibt aber von Einstieg, Ausstieg, Auswahl und Kosten abhängig. Hoher Hebel kann bereits einen Zwischenrückgang gefährlich machen, selbst wenn sich der Markt später wieder erholt. Eine Marktmeinung ersetzt daher keine Positionsgrößenrechnung.
Unterscheide auch Trading und langfristiges Investieren. Ein kurzfristiger Trade mit fester Ungültigkeitsmarke wird nicht automatisch zum langfristigen Investment, sobald er im Verlust liegt. Umgekehrt muss ein langfristiger Plan nicht jede kleine Korrektur handeln. Beide Entscheidungen brauchen einen eigenen Horizont und Risikorahmen.
Eine praktische Prüfliste
Vor einer Entscheidung hältst du fest: Welcher Index oder Titel wird betrachtet? Von welchem Tief und bis zu welchem Datum wird gerechnet? Handelt es sich um Schluss- oder Intraday-Kurse? Was ist der geplante Einstieg, und welche Entwicklung widerlegt die Idee? Wie wirkt sich ein deutlicher Rücksetzer auf das gesamte Konto aus?
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Stand: 26. September 2026. Die Rechenbeispiele sind fiktiv. Dieser Artikel stuft keinen aktuellen Markt als Bullen- oder Bärenmarkt ein.